Magazin : EDITION BAYERN Sonderheft #9

B ayerns Wirtschaft ist Spitze. 2014 exportierten bayerische Unternehmen Waren imWert von fast 170 Milliarden Euro und stellten einen neuen Rekord auf. Zu den Exportschlagern „Made in Bava- ria“ zählten vor allem Fahrzeuge, Maschi- nen, elektrotechnische sowie chemische Erzeugnisse. Damit bestritt der Freistaat 15 Prozent des deutschen Außenhandels und lag dicht hinter Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen an dritter Stelle auf der Länderskala. Mit 522 Milliarden Euro erwirtschaftete Bayern 18 Prozent des gesamtdeutschen Bruttoinlandspro- dukts und belegte Platz zwei unter den 16 Bundesländern. Zugleich erwies sich der Freistaat als Deutschlands Beschäf- tigungsmotor Nummer eins. Seit 2000 entstanden hier mehr als 200000 neue Arbeitsplätze. Mit 3,4 Prozent lag die Arbeitslosenquote in Bayern 2015 so nied- rig wie in keinem anderen Bundesland. Drei Generationen zuvor hätte kaum ein Beobachter diese Entwicklung für möglich gehalten. Aufgrund seines Mangels an Bodenschätzen und seiner Revierferne zählte Bayern seit dem Eintritt in das Zeitalter der Industrialisierung nicht zur Spitzengruppe unter den deutschen Wirt- schaftsregionen. Lange Zeit arbeiteten hier weit mehr Menschen in der Landwirtschaft als im produzierenden Gewerbe oder im Dienstleistungsbereich. Noch 1950 war fast ein Drittel der Beschäftigten im Frei- staat land- und forstwirtschaftlich tätig, bundesweit dagegen nur mehr ein Viertel. 37 Prozent verdienten ihren Unterhalt im produzierenden Gewerbe, im Bund waren es 43 Prozent. Nur ein Viertel der Erwerbstätigkeit entfiel auf den Dienstleis- tungssektor, im übrigen Bundesgebiet im Schnitt ein Drittel. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts durchlief die bayerische Wirtschaft einen steten Aufholprozess. Allein der starke Zuzug von Flüchtlingen und Vertriebenen nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs erforderte eine aktive Wirtschaftspolitik zur Schaffung von einer halben Million Arbeitsplätzen, die außerhalb der Landwirtschaft entstanden. Unter den Unternehmen, die ihren Sitz von Ost- und Mitteldeutschland nach Bayern verlager- ten, waren Schwergewichte wie Siemens, Allianz, Audi oder Osram. Das nachhaltige Wirtschaftswachstum in der jungen Bundesrepublik beschleunigte auch die Entwicklung in Bayern. Die Zahl der Industriebeschäftigten im Freistaat verdoppelte sich von 1950 bis 1975. Im Bereich der elektrotechnischen Industrie lag das Land schon bald an der Spitze. Zu einer neuen Schlüsselindustrie entwickelte sich der Automobilbau mit den Aushän- geschildern Audi und BMW. Dieser Wirtschaftszweig entfaltete im Verbund mit einer prosperierenden Zulieferindustrie ein überdurchschnittliches Wachstum. Hidden Champions & Global Players – Bayerns Wirtschaft Richard Winkler Gewerbe- und Industriemessen haben eine große Tradition in Bayern. Seit den 1880er-Jahren fanden Industrie-, Handels- und Gewerbe-Ausstellungen in München – wie die Deutsche Gewerbe- schau von 1922 –, Augsburg, Nürnberg und anderen Städten großen Zulauf. Die Scherzpostkarte bezieht sich auf die „Bayerische Gewerbeschau“ von 1912. Die Fundamente des Freistaates Bayern 92

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