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decken, die die Ränder der Täler und das

Hügelland weitflächig, aber nicht lückenlos

überziehen und die einen Gesteinsakzent

setzten, der das Spektrum der Bodengüten

in Hügelland und Tal weiter bereicherte. Auf

ihnen gründete zum Beispiel die Existenz

der alten Bauerndörfer Altheim, Ergolding

und Altdorf. Aus Westen angewehter Löss

lagerte sich leewärts in den kleinen Seiten-

tälern der Isar ab, sodass der westliche

Talhang häufig mäßiger geneigt als der

östliche ist. Das ist eine Erklärung neben

anderen für die auffällige Asymmetrie vieler

kleiner Täler im„rolling country“ nördlich

und südlich von Landshut.

AU C H I M H O LOZ ÄN,

also der gegenwär­

tigenWarmzeit, ging die Landschafts­

formung weiter. In seiner frühen Phase

blieb vor allem die klimatisch verursachte

Formungsdynamik der Isar maßgeb­

lich, bedingt unter anderem durch den

Rhythmus des weiteren Abschmelzens des

Isar-Loisach-Gletschers und die natürlichen

Niederschlagsschwankungen. Dann betei­

ligte sich zunehmend der Mensch an der

Landschaftsgestaltung, spätestens, als die

ersten Ackerbauern im Neolithikum, der

Jungsteinzeit, seit ungefähr 5000 v. Chr. die

guten Böden auf Löss zu nutzen wussten,

dieWälder rodeten und so einen verstärk­

ten Bodenabtrag auslösten, der sich in der

Ablagerung kleinerer Sedimentkörper ent­

lang der holozänen Talaue niederschlug.

Wasser stauende Molasseschichten im

Untergrund bringen das im Isartal reichlich

fließende Grundwasser in Oberflächen­

nähe und lassen Quell- und Sickermoore

entstehen. Diese Moorvorkommen waren

im frühen 19. Jahrhundert noch viel stärker

verbreitet. Der hohe Grundwasserspiegel

und die Hochwassergefahr amWildfluss

der Isar waren Anlass für die Flussregulie­

rung seit der zweiten Hälfte des 19. Jahr­

hunderts. Wie am Rhein führten auch hier

die seitdem beschleunigten Abflussverhält­

nisse zu einer verstärkten Tiefenerosion.

Mit einer Eintiefung des Flussbetts von bis

zu drei Metern ging eine markante Absen­

kung des Grundwasserspiegels im ganzen

Talraum einher. Das schuf verbesserte land­

wirtschaftliche Nutzungsmöglichkeiten

und die Grundlage für neue Siedlungsflä­

chen, aber die Moore verschwanden und die

Isar verlor ihren Charakter als Wildfluss.

D E R ANL AG E VO N H O C HWA S S E R DÄMME N

und

ersten Rückhaltemulden um 1900 folgte

seit der Mitte des 20. Jahrhunderts eine

Reihe von Staustufen und Kraftwerken,

die die Isar nun auch zur Energiegewin­

nung beziehungsweise das Isarwasser zur

Kühlung nutzten. Zur beinahe endgültigen

Bannung der Hochwassergefahr hat der

Bau des Sylvensteinspeichers im Oberland

beigetragen.

TAL , FLUS S UND HÜG E LL AND,

das Werk

beeindruckender Kräfte der Erdgeschich­

te, hat der Mensch auf seine Weise in

unterschiedlichen Zeiten zu unterschied­

lichen Zwecken genutzt. So vermittelte

das Isartal immer einen leichten Zugang

zu den flussauf- und flussabliegenden

Gebieten, nach Nordosten zur Donau

und zum Übergang nach Böhmen und

nach Süden in die Alpen hinein. Auch das

frühe Landshut auf halbemWeg zwischen

München und der Isarmündung steht in

diesen verkehrsgeschichtlichen Zusam­

menhängen. Der Fernhandel gründete

nicht unwesentlich auf der Flößerei der

Isar, die inzwischen eine touristische

Renaissance erlebt hat. Wer aber von den

auf der Autobahn A 92 Dahineilenden, die

Landshut mit einem Schlenker über den

Rand des Hügellandes dezent passieren,

weiß, dass vom 17. bis zum 19. Jahrhun­

dert das Ordinari-Floß, zuletzt 1904, ein-

bis zweimal wöchentlich regelmäßig über

Passau und Linz nach Wien verkehrte? Bei

fünf Tagen Reisedauer und zum Fahrpreis

von drei Gulden war das jedenfalls preis­

werter als die Eilkutsche.

ARM IN R AT US N Y

Über die Burg Trausnitz und die Martinskirche (rechts vorne) geht der Blick über das Isartal nach Norden zu den

bewaldeten Molassehöhen des Tertiärs am Horizont. Im Bildhintergrund kann man den BayerischenWald als

blassblauen Streifen erahnen. Das quartärzeitliche Isartal liegt eingeschachtelt in die Sedimente der Oberen

Süßwassermolasse, auf denen sich exponiert und über den nahen Flussübergang wachend die Burg Trausnitz und

in der Ferne die Waldhöhen befinden, sozusagen die beiden Talflanken, die damit jeweils zum Niederbayerischen

Tertiärhügelland gehören. Der breite Talboden zwischen ihnen – aus dem Blickwinkel der Kamera scheinbar zu

einer einzigen Ebenheit zusammengeschlossen – gliedert sich in quartärzeitliche Flussterrassen, deren jüngstes

Kind die holozäne Aue ist, das Bett der Isar und ihrer Flussarme.

Von den alten Dörfern in der Ebene, mit frühmittelalterlichenWurzeln, scheint Ergolding (Rand der Bebauung

in der linken Bildhälfte, über dem grünen Gebäudekomplex der Rosenmühle) schon beinahe im Landshuter

Stadtgebiet aufgegangen; rechts über dem bogenförmigen Straßenabschnitt der B15 und oberhalb der Bildmit-

te kann man Altheim und Essenbach erkennen, links hinten amWaldrand das siedlungsgeschichtlich jüngere

Mirskofen.

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GEOLOGIE