Magazin : EDITION BAYERN Sonderheft # 06 - page 73

REVOLUTION 1848/49
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I
n der deutschen Revolution von 1848/49 hatten sich lan-
desweit national und demokratisch gesinnte Menschen
gegen die Restaurationspolitik der Fürstentümer des
Deutschen Bundes erhoben. Ihr wichtigstes Ziel war es,
Verfassungsrechte zu erlangen und entsprechende demo-
kratische Reformen einzuleiten. Als die Volksbewegung in
den einzelnen Bundesstaaten vom Militär blutig niederge-
schlagen wurde, flohen viele Beteiligte vor der drohenden
Verhaftung in das nachbarliche Ausland. Von dort reiste
die Mehrzahl der Exilanten in das „Land der Freiheit“,
nach Amerika, weiter. In der neuen Heimat taten sich
viele im öffentlichen Leben als verantwortungsvolle, dem
Gemeinwohl verpflichtete Männer hervor. Im bald darauf
ausbrechenden Bürgerkrieg hatten die deutschen Revolu-
tionsflüchtlinge eine Vielzahl von Führungsposten in der
Armee der Nordstaaten inne. So bedeutend war ihr Beitrag
für das junge Staatswesen, dass die deutschen 48er als „The
Fourty Eighters“ in die Geschichte der USA eingingen.
Zu dieser Gruppe zählte auch der am 19. Februar 1805
in Immenstadt geborene Fidel Schlund. Der Vater Alois
Schlund, ein Krämer, schickte seinen fleißigen und
begabten Sohn auf die Lateinschule der Immenstädter
Kapuziner. Von 1820 bis 1822 absolvierte Fidel dann eine
Lehre in Straßburg im Elsass. Eine Woche nach seinem
21. Geburtstag heiratete der junge Kaufmann die 19 Jahre
alte Josepha Markart, Tochter eines Waffenschmieds aus
dem nahen Fischen, und übernahm bald darauf die Hand-
lung seines Vaters. Josepha gebar in den nächsten 14 Jahren
sieben Knaben und fünf Mädchen. Ihr Mann Fidel nutzte
als Eisenhändler die neu eingeführte Gewerbefreiheit
und verkaufte in seinem Laden auch Produkte, die zuvor
den Handwerkern der Stadt als Handelsware vorbehalten
waren. Und offenbar betrieb er seine Geschäfte erfolgreich:
Etwa 25 Jahren später hatte er so viel erwirtschaftet, dass
ihm nach dem Verkauf seiner Habe die enorme Summe
von 25000 Gulden für den Neuanfang in Amerika blieb.
Die zeitgenössische Zeichnung
zeigt Fidel Schlund als Gefange-
nen im Kemptener Stockhaus
1849.
Fidel Schlund (1808–1882) – Auswanderer nach Amerika
Indem ich heute mit den Meinigen, wenngleich nicht ohne
Schmerz, doch ohne Groll, aus der theuren Heimat scheide…
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