Magazin : EDITION BAYERN Sonderheft # 06 - page 146

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WIDERSTAND GEGEN DIE NS-DIKTATUR
K
urz vor dem Einmarsch der US-Armee in Mün-
chen am 30. April 1945 unternahm die „Freiheits-
aktion Bayern (FAB)“ in der Nacht vom 27. auf den
28. April 1945 in München einen Aufstandsver-
such. Ziel war es, die NS-Herrschaft zu beenden, mit den
Alliierten – zum US-Geheimdienst hatte es bereits verein-
zelt Kontakte gegeben – über einen Waffenstillstand zu
verhandeln und eine Übergangsregierung zu installieren.
ImVorfeld des Aufstands hatten sich fünf unterschiedliche
Gruppen zum Kern der Freiheitsaktion Bayern vernetzt.
Die zwölf führenden Köpfe dieser Gruppierungen hatten
großteils schon zuvor eine kritische Haltung gegenüber
dem NS-Regime eingenommen. In München waren sie vor
allem in der Dolmetscher-Kompanie und unter den Mitar-
beitern der Reichsstatthalterei zu finden. In zwei weiteren
Gruppen hatten sich im Moosburger Kriegsgefangenen-
lager tätige Dolmetscher zusammengefunden, die Kontakt
zu den Münchner Kreisen hatten, aber am Aufstand selbst
nicht beteiligt waren. Die fünfte und größte Gruppe bil-
deten Soldaten der Panzer-Ersatz-Abteilung 17 in Freising,
einige von ihnen besetzten beim Aufstand den Rundfunk-
sender im Erdinger Moos.
An der von München aus organisierten Aktion beteiligten
sich rund 440 Soldaten. Nur drei der insgesamt acht zent-
ralen Aktionen waren erfolgreich. So gelang die Entmach-
tung der NS-Größen nicht, auch wenn die Aktivisten der
Freiheitsaktion Bayern am Morgen des 28. April für einige
Stunden den Rundfunk besetzen und die Bevölkerung zum
Teil der Propaganda-
strategie des NS-Re-
gimes war die Aus-
stattung möglichst
aller Haushalte mit
kostengünstigen
Radiogeräten, den
so genannten Volks-
empfängern. Mit der
Besetzung des Rund-
funks konnte sich die
Freiheitsaktion Bay-
ern dieses Informa-
tionsmittels für die
breite Bevölkerung
bedienen.
Die Freiheitsaktion Bayern – Aufstand gegen das NS-Regime
Achtung, Achtung!
Es spricht der Sender der Freiheits-Aktion-Bayern…
Die F.A.B. hat heute Nacht die Regierungsgewalt erstritten.
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