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as hat allerdings nichts damit zu tun, dass über 100 Jahre

später alljährlich das Sambafestival durch die Coburger

Altstadt tobt. Selbstverständlich das größte außerhalb Bra-

siliens. Die Coburger nehmen den Event hin so wie anderenorts

die Franken ihre Schützen- und Altstadtfeste: Wer’s nicht ertragen

kann, zieht solange aus. Die anderen feiern mit, auf fränkische

Art allerdings. Da schäumt meist nur der Prosecco. Die zur Schau

gestellte Lebensfreude schaut man sich im Sambaumzug an,

während die VIPs unter sich bleiben. VIPs sind in Coburg zum ei-

nen Mandatsträger wie Bürgermeister, Stadträte, Amtsvorsteher,

IHK-Präsidenten und die Geistlichen (wenn sie wollen). Ansons-

ten ist VIP, wer es bezahlen kann. Das gilt in der Handballarena

genauso wie auf den Arkaden oberhalb des Schlossplatzes, wenn

dort die Open Airs stattfinden.

Die Schlossplatzkonzerte

gehören ebenso zur Coburger Le-

bensqualität wie das viele Grün, das engmaschige Stadtbusnetz,

das Landestheater, der schnelle Anschluss an das Internet, die

Bildungs- und Serviceeinrichtungen, die sich die Stadt leistet. Mit

diesen„weichen Standortfaktoren“, wie sie imWirtschaftsdeutsch

genannt werden, kann die Stadt trotz ihrer Lage abseits der

Ballungsräume punkten. Sie kann es sich auch leisten, dank des

großen Gewerbesteuerzahlers HUK-COBURG. Dass sie finanzkräf-

tig ist, merkt man der Stadt auch im Inneren an: Weite Bereiche

der Altstadt sind saniert und auch wenn die Spitalgasse (Fußgän-

gerzone) heute von den großen Handelsketten dominiert wird,

so halten sich doch etliche Boutiquen und Fachgeschäfte: klein

und exklusiv. VomWohlstand mancher Coburger zeugen auch die

liebevoll in Schuss gehaltenen Villen am Festungsberg. Eifersüch-

tig wachte der Coburger Einzelhandel darüber, dass kein Großein-

kaufs- und Freizeitzentrum an der Peripherie entsteht. Das führte

im Jahr 2000 zu einem Bürgerentscheid. Inzwischen sind sogar

Befürworter der damaligen Pläne für ein Freizeitzentrum auf der

Lauterer Höhe froh darüber, dass diese nicht umgesetzt wurden.

Gebaut wurde dafür zehn Jahre später eine Sporthalle, obwohl

die Coburger eigentlich entschieden hatten, dass diese an dem

über 400 Jahre lang als Festplatz genutzten Anger errichtet wer-

den sollte, der heute als Parkplatz dient.„Coburgs neuer Süden“

sind die Pläne betitelt, die seiner Aufmöblung dienen sollen. Dass

über diese Pläne derzeit nicht groß gestritten wird, liegt auch

daran, dass sie vorerst aus Finanzgründen auf Eis liegen.

Eine Coburger Spezialität der neuesten Zeit: der Coburger Kloß

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geschichte