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Hennebergische Fernhandelsstadt

1272 war die„Civitas in Koburch“ rechtsfähige Bürgergemeinde

mit eigenem Siegel, das sie mit der turmbekrönten Mauer als

wehrhaften Friedensbezirk symbolisiert. Die planmäßig seit 1260

gebaute Stadt empfahl sich mit ihrer nahezu kreisrunden Anlage

als Abbild des himmlischen und des irdischen Jerusalem. Nach

der im 5. Jahrhundert verkündeten Lehre des Augustinus von der

„Civitas Dei“ glaubte man, das himmlische Jerusalem sei mit der

christlichen Staatskirche des römischen Reichs Realität gewor-

den. Was also lag näher, als diese Überzeugung als umfriedete

Stadtsiedlung Gestalt annehmen zu lassen?

Coburg entsprach mit den vier dreitürmigen Toren, dem zen-

tralen Markt am Straßenkreuz und St. Moriz als Parallele zur

Grabeskirche dem hochmittelalterlichen Jerusalem, wie es die

Kreuzfahrer kennen gelernt hatten. Den Durchmesser des Mau-

errings von ca. 364 Metern entlehnten die Coburger Stadtplaner

der Offenbarung des Johannes, dem letzten Buch der Bibel: Die

dort beschriebene und vermessene Vision des himmlischen

Stadtstaats reduzierte man in Coburg auf die pragmatische Dis-

tanz von 1200 Fuß. So setzte man hier die mittelalterliche Sicht

der Einbindung der Weltgeschichte in den göttlichen Heilsplan

um. Im Alltag aber sollte sich bald die Diskrepanz von Vision

undWirklichkeit zeigen. Für die Armenseelsorge gründeten die

Franziskaner um 1250 ihr Kloster. Zur Krankenpflege stifteten,

wohl vor 1291, die Grafen von Henneberg das Georgenspital. Als

Gegenströmung zu den reichen patrizischen Tuchhändlern und

als soziale Absicherung lediger Frauen siedelten sich um 1350

Konvente der Armut und Keuschheit gelobenden Beginen an,

die kirchlich-liturgische Textilien herstellten. Bereits um 1300 war

die ummauerte„alte“ Stadt zu eng geworden. Daher bezog man

die Ketschenvorstadt in die Ummauerung ein und errichtete das

äußere Ketschentor. Am Steinweg wuchs bis um 1400 die„neue

Stadt“, die mit Heilig Kreuz bald eine eigene Pfarrkirche bekam.

1468 wurde hier die gefährliche und zeitraubende Furt durch

eine erste Brücke ersetzt.

Kaiserstadt „light“

1331 erweiterte Kaiser Ludwig der Bayer das Coburger Stadtrecht

nach dem Vorbild Schweinfurts. 22 Jahre später erbte die mit

dem wettinischen Markgrafen Friedrich III. von Meißen verhei-

ratete Katharina von Henneberg das Coburger Land. Die„Pflege

Coburg“, durch die wettinischen Landesteilungen zwischen 1485

und 1826 mehrfach umgeordnet und -benannt, blieb bis 1918

als„ein gutes Ei“ der alten Wappenhenne unter wettinischer

Herrschaft.

„Ware und eigentliche Historia der frölichen ankunfft des ... gebornen Churfürsten und Herren, Herrn Johann Friderichen, Hertzogen zu Sachssen ...“ in Coburg 1552

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geschichte