Seite 93 - EDITION Bayern : Industriekultur in Bayern

Basic HTML-Version

ANGEWANDTE WISSENSCHAFT
91
IN KÖNIGLICHEN DIENSTEN
Mit seinen technischen Entwicklungen
erwarb sich Edelmann den Ruf eines
Experten, den man mit ausgefallenen
Aufgaben betrauen konnte. Die Hofthea-
terverwaltung trat in den 1870er-Jahren
an ihn heran, „um mit seiner Hilfe den
oft schwierigen maschinellen Anforde-
rungen gerecht zu werden, welche König
Ludwigs II. Wünsche bezüglich mög-
lichst einwandfreier szenischer Effekte
dem Personale gestellt hatten“. Edelmann
suchte am 5. Dezember 1876 bei der
Technischen Hochschule um Freistel-
lung nach: „Von der k. Hoftheater-Inten-
danz wurde ich berufen, die Leitung des
gesamten Beleuchtungs- und Maschinen-
wesens der beiden k. Hofbühnen zu über-
nehmen und zwar zunächst auf die Dau-
er eines Jahres. Diese Berufung ist heute
von Seiner Majestät dem Könige bestä-
tigt worden, weshalb ich an Euer Hoch-
wohlgeboren die ergebenste Bitte richte
zu veranlassen, daß ich 1 Jahr … beur-
laubt werde …“ Edelmann wurde mit
der technischen Ausstattung der Grotte
in Schloss Linderhof betraut, in der die
von Ludwig II. erdachte Fantasiewelt
einer Venusgrotte verwirklicht werden
sollte. Zunächst galt es, das vom König
gewünschte Blau der Grotte von Capri
möglichst genau für den Raum nachzu-
empfinden. Dazu befasste sich Edelmann
mit der Spektralanalyse des Lichts und
legte dem König in einem Gutachten dar,
wie das Blau zu erzeugen und die Licht-
quelle dafür zu setzen sei. Darin erwähnt
er auch einen „Wellen …Apparat, wie ich
schon früher einen solchen für den könig-
lichen neuen Wintergarten construiert
habe“. Denkbar ist, dass Edelmann dem
König selbst nicht nur von diesem Auf-
trag her bekannt war, sondern bereits aus
der Zeit vor seinem Studium, in der er als
Maschinentechniker an den Münchner
Theatern tätig gewesen war.
Edelmann setzte in Linderhof zum Teil
selbst konstruierte und selbst gebaute
so genannte Innenpoldynamomaschinen
ein, mit denen er eine der ersten elek-
Der Familienüberlieferung nach nahm Cas-
par von Zumbusch, der Gestalter des Max-II-
Denkmals in München, seinen Allotria-
Freund Max Th. Edelmann als Vorbild für die
Allegorie der Stärke und Wehrhaftigkeit.
Der Firmengründer Max Thomas Edelmann,
porträtiert von dem renommierten Münch-
ner Maler Leo Samberger (1908).
Das von Rudolf Gedon ursprünglich als
Grabbildnis geschaffene Halbrelief befindet
sich heute in den Räumen der Münchner
Künstlervereinigung „Allotria“, deren Mit-
glied der Dargestellte war.
Als Meisterwerk der Technik galt die Venusgrotte in Linderhof, in der König Ludwig II. seine
„Gegenwelt in Blau“ verwirklichen wollte. Max Th. Edelmann zeichnete für die Beleuchtung
verantwortlich und schuf die Aufsehen erregende Wellenmaschine des künstlichen Sees.