Seite 66 - EDITION Bayern : Industriekultur in Bayern

Basic HTML-Version

64
120 JAHRE TELEFON IN KULMBACH
In seiner schlichten Form sehr modern mutet der aus dem Jahr 1908
stammende Tischapparat der Firma A. Zettler an, mit dem das Haus-
telefon von 1893 im Rokokostil deutlich konstrastiert.
In der Art eines Schmuckkästchens kommt die vermutlich von der
Nürnberger Firma Friedrich Heller entwickelte „Nürnberger Schere“
daher. Damals wie heute ist das Telefon immer auch ein Design-
objekt.
Was das Design der Telefonapparate angeht, so spiegeln diese als
hochwertige Gebrauchsgegenstände Geschmack und Stil ihrer
Zeit wider. In Bayern waren es die Münchner Firmen Friedrich
Reiner und Alois Zettler, daneben Friedrich Heller in Nürn-
berg und Hermann Wetzer in Pfronten im Allgäu, die hier die
Trends setzten. Friedrich Reiner stellte 1892 die „Neue Telephon-
Tischstation“ vor, die die groß dimensionierten Wandstationen
der Anfangszeit nach und nach ersetzte. Innerhalb eines Zeit-
raums von weniger als 100 Jahren wandelte sich das Telefon,
beginnend imWandstationsformat von 140 x 40 Zentimeter und
einem Gewicht von 15 Kilogramm zum Handyformat, das sich
von dem gut ein Kilogramm schweren „Kuhfuß“ zum elegant
flachen Display mit weniger als 10 x 4 Zentimeter und einem Ge-
wicht von unter 100 Gramm entwickelt hat.
Literatur
100 Jahre Fernsprecher in Deutschland, Sonderdruck aus: Archiv für deut-
sche Postgeschichte Heft 1 (1977), S. 19; Telefone 1863–2000, Katalog der
Museumsstiftung Post und Telekommunikation, Bd. 9, S. 31ff.; Archiv für
Postgeschichte in Bayern, 1983; Fränkische Postgeschichtsblätter 37 (1985),
S. 20ff.; 100 Jahre Telefon in Bayern, hg. vom Verkehrsmuseum Nürnberg,
1983; Jörges, Christel /Gold, Helmut (Hg.): Telefone 1863–2000. Aus den
Sammlungen der Museen für Kommunikation, Frankfurt 2001