Seite 6 - EDITION Bayern : Industriekultur in Bayern

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VOM AGRARLAND ZUM POSTINDUSTRIELLEN WIRTSCHAFTSSTANDORT
DIE INDUSTRIELLE REVOLUTION
Mit der Industrialisierung begann eine Epoche, in der sich nicht
nur die Wirtschaft, sondern auch Staat und Gesellschaft grund-
legend geändert haben. Ihren Ausgang nahm die „industrielle
Revolution“ in England gegen Ende des 18. Jahrhunderts und
von hier aus schritt sie mit unterschiedlicher Intensität und
Geschwindigkeit, zunächst in Europa und Nordamerika, voran.
In Deutschland erfasste sie einige Regionen relativ rasch, andere
dagegen erst mit Verzögerung, so auch Bayern, wo die Voraus-
setzungen für die Industrialisierung insgesamt eher ungüns-
tig waren. Hier begann das Industriezeitalter um 1840. Seit-
her nahm auch in Bayern der Anteil, den die Beschäftigten im
produzierenden Bereich an der Gesamtzahl der Beschäftigten
ausmachten, stetig zu. Erst in den 60er-Jahren des 20. Jahrhun-
derts büßte die Industrie in den wirtschaftlich am weitesten
entwickelten Staaten ihre Führungsrolle ein. 1975 waren in der
Bundesrepublik erstmals mehr Menschen im „tertiären“ Bereich
beschäftigt als im produzierenden. Obwohl die Industrie nach
wie vor ein wesentlicher Bestandteil der Volkswirtschaften aller
modernen Staaten darstellt, hat im „postindustriellen“ Zeitalter
der komplexe Wirtschaftsbereich der „Dienstleistungen“ die
Führung inne. Damit ging ein tief greifender, diesmal sehr rasch
die gesamte Welt erfassender Wandel einher: Es begann die
„Globalisierung“, deren Folgen heute noch nicht abzusehen sind.
Auch wenn die Industrialisierung mit manchen negativen Be-
gleiterscheinungen verbunden war, so sind ihr doch fast alle
Errungenschaften zu verdanken, ohne die der Alltag kaum vor-
stellbar wäre. Tatsächlich haben sich die Lebensverhältnisse in
den zurückliegenden zwei Jahrhunderten wohl nachhaltiger
Dirk Götschmann
Bayerns Weg vom Agrarland zum
postindustriellen Wirtschaftsstandort