Seite 59 - EDITION Bayern : Industriekultur in Bayern

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120 JAHRE TELEFON IN KULMBACH
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liche Betheiligung sicher gestellt sei, für die kommende Finanz-
periode (1890/91) in Aussicht genommen werden könne“. Dem
vorausgegangen war der Finanzgesetzentwurf des Landtags be-
treffend Herstellung neuer Stadttelefonnetze, in dem man auch
die Notwendigkeit direkter Fernsprechverbindungen zwischen
den größeren StädtenBayerns diskutiert hatte: „NachderHerstel-
lung der telephonischen Verbindungen Nürnberg-Würzburg,
Nürnberg-MünchenundNürnberg-Schwabach-RothwirdNürn-
berg der Centralpunkt und die Vermittlungsstelle des telepho-
nischen Verkehrs der Städte München, Nürnberg, Fürth, Bam-
berg, Würzburg, Schwabach und Roth sein. Auch Augsburg
wird sich über München an diesem Verkehr betheiligen können.
Würde nun noch eine Verbindung von Nürnberg über Bayreuth
nach Hof hergestellt werden, so würde durch diese Verbindung
nicht nur auch die Stadt Hof in diesen interurbanen bayerischen
Verkehr einbezogen werden, sondern es wäre damit auch ein
bedeutender Schritt zur Ausführung einer telephonischen Ver-
bindung der sämtlichen bezeichneten Städte mit Berlin gesche-
hen. Bei der großen und immer steigenden Bedeutung, welche
Berlin für die bayerischen Industrie- und Handelsplätze, insbe-
sondere auch für München hat, möchte es keinem Zweifel unter-
liegen, dass die Herstellung einer telephonischen Verbindung
München-Nürnberg-Berlin einem tatsächlich bestehenden Ver-
kehrsbedürfnisse entgegenkommen würde …“
In Kulmbach wiederum argumentierte man, dass „… bei dem
lebhaften Verkehr, den unsere Stadt und deren Exportbrauereien
mit Sachsen und Schlesien haben, es in der Tat als ein Bedürfnis
(erscheint), daß, wenn die projektierte Telephonlinie Nürnberg-
Bayreuth-Hof u.s.w. ausgeführt wird, unsere Stadt an diese Linie
angeschlossen werde“.
Am 11. Dezember 1890 informierte das Kulmbacher Tagblatt die
Bevölkerung über den Stand der Dinge: „Seit gestern weilt Herr
Telegrapheningenieur Schneider von Bamberg mit einem Hilfs-
arbeiter in unserer Stadt, um die zur Einrichtung der Telephon-
anlage erforderlichen Aufnahmen und sonstigen Vorarbeiten
für die Anfertigung der Pläne für das Drahtleitungsnetz zu be-
thätigen …Größere eiserne Ständer für die Drahtleitungen wer-
den voraussichtlich auf dem Vereinshause und auf dem Dache
Augsburg errichtet. Der Erfolg und die Tragweite der jetzt mög-
lichen schnellen mündlichen Kommunikation weckten bei vie-
len, auch kleineren Städten Interesse. Die Einrichtung einer Tele-
fonanlage war abhängig von der Zahl der Abonnenten, die eine
Stadt finden konnte – mindestens 35 waren dafür nötig. So plä-
dierte zum Beispiel das Bayreuther Tagblatt am 24. April 1889
für diese Neuerung: „In Sachsen und Preußen haben schon viele
weit kleinere Städte, als Bayreuth, Telephonverkehr, Bamberg
hat die Einrichtung bereits seit einigen Jahren, Hof bekommt sie
heuer, für Bayreuth ist sie im Hinblick auf das allgemeine Ver-
kehrsbedürfnis und die verhältnismäßig weite Ausdehnung der
Stadt das Erfordernis einer fortgeschrittenen Zeit. Wir haben
hier viele große Geschäfte, Fabriken, öffentliche Behörden,
Ämter, Militär, welche das Telefon in hohem Grade in Anspruch
nehmen würden.“ Ausführlich erklärt der Autor die Vorteile:
„Die Telephonanlage bezweckt, die Möglichkeit zu schaffen, mit
Personen, welche außerhalb der Behausung wohnen, von letz-
terer aus in mündlichen Verkehr zu treten, um eigene Gänge,
Gänge durch Boten, Correspondenzen etc. zu sparen, ferner um
im Verkehr mit Dritten Zeit zu gewinnen und die Sicherheit zu
genießen, welche der persönliche Gedankenaustausch gegen-
über der mittelbaren Verhandlung bietet …“
Im Folgenden wird die Errichtung der ersten staatlichen Tele-
fonanlage in Kulmbach nachgezeichnet. Hier bemühte sich das
Bezirksgremium für Handel, Fabriken und Gewerbe im April
1889 bei der königlichen Direktion der Posten und Telegraphen
um die Errichtung einer Telefonanlage. In einem an die größe-
ren Geschäftshäuser der Stadt gerichteten Rundschreiben wurde
das Vorhaben erläutert. Die eingehenden Anmeldungen wurden
im Kulmbacher Tagblatt bekanntgegeben:
Mit Bescheid der königlich bayerischen Telegraphenverwaltung
vom 30. Mai 1891 wurde mitgeteilt, dass die „Einrichtung einer
staatlichen Telephonanlage in Kulmbach, nachdem die erforder-
Eiserner Ständer für die Drahtleitungen auf dem Dach des Vereins-
hauses Kulmbach, um 1900. Die Darstellung (Detail) ziert die im No-
vember 1900 von der Stadt Kulmbach an Kommerzienrat Hermann
Limmer verliehene Ehrenbürgerurkunde.
„15. September 1890: 1. Georg Sandler, 2. Exportbrauerei Mönch-
hof, 3. J. G. Meußdoerffers Söhne, 4. Gewer-
be- und Vorschußverein, 5. Gebrüder Lim-
mer, 6. J. Ruckdeschel, 7. Erste Aktienbraue-
rei, 8. F. J.Püttner, 9. Ph. Usselmann, 10. E. T.
Wilsdorf, 11. J.W. Reichel, 12. Exportbraue-
rei vorm. E. Petz.
17. September 1890: 13. Aug. Levermann, 14. Georg Hutzel-
mann, 15. Otto Staedt, 16. A. Eichenmüller,
17. Exportbrauerei vorm E. Rizzi.
24. September 1890: 18. F. L. Bauer, 19. Ernst Pensel, 20. Georg
Schüler, 21. Karl Beitl, 22. Heinrich Pöhl-
mann. Von den amtlichen Stellen wird
sich der Stadtmagistrat mit 3 Sprechstel-
len betheiligen.
28. September 1890: 23. Johann Zeitler, 24. Leonh. Eberlein,
25. Wilh. Fischer, 26. Franz Neuhütl,
27. Herm. Limmer. 28. Phil. Weinmann.
Das Anmeldeverzeichnis wurde an das kgl.
Oberpostamt Bamberg gesandt. Die Zahl
der Privat-Theilnehmer ist 28 mit 37 Appa-
raten. Von den amtlichen Stellen hat sich
lediglich der Stadtmagistrat (mit 3 Sprech-
stellen) angemeldet.“