Seite 133 - EDITION Bayern : Industriekultur in Bayern

Basic HTML-Version

INDUSTRIEKULTUR ENTDECKEN
131
Kurz vor dem Anstieg auf die Höhen des
Bayerischen Waldes liegt an der Donau
das Dorf Flintsbach, das zur Gemeinde
Winzer (Landkreis Deggendorf) gehört.
Der Ort trägt in seinem Namen die
Geschichte, dass unsere Vorfahren hier
während der Steinzeit Rohmaterial für
die Herstellung von Schabern, Klingen
und Pfeilspitzen gewannen. Später war
es Kalkstein, der Menschen nach Flints-
bach lockte. Das nahe gelegene Kloster
Niederaltaich betrieb hier spätestens seit
dem 16. Jahrhundert Öfen zum Brennen
von Weißkalk. Im Zuge der Säkularisa-
tion gelangten Steinbruch und Ofen in
den Besitz des unmittelbar benachbarten
Bauern. Fünf Generationen der Fami-
lie brannten hier im Nebenerwerb Kalk,
später auch Ziegelsteine. Seit 1995 befin-
det sich auf dem Areal das
Ziegel- und
Kalk Museum Flintsbach
. Es gruppiert
sich um den eindrucksvollen Ringofen
aus dem Jahr 1883, der bis 1968 in Betrieb
war. Die Erfindung dieses Ofentyps hat-
te Mitte des 19. Jahrhunderts die Brenn-
technik revolutioniert. Mittels raffinier-
ter Luftführung, Heiz- und Setztechnik
sparte ein solcher Ofen gegenüber den
bis dato üblichen Brennmethoden bis
zu 80 Prozent Energie ein. Da man den
Ofen im Flintsbacher Museum sowohl
begehen als auch an einem Modell im
Betrieb sehen kann, erschließt sich die
pfiffige Technik auch technisch weniger
versierten Betrachtern. Man findet auf
dem Gelände außerdem ein Maschinen-
haus mit Ziegelpresse und Trockenstädel
aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhun-
derts. Diese Anlagen waren anlässlich
der Museumseinrichtung rekonstruiert
worden. Auch ein Ausstellungsgebäude
fügte man dem Ensemble hinzu. Es bie-
tet Raum für Präsentationen zur Indus-
trialisierung der Ziegelproduktion, zur
Vielfalt des Grundstoffs Kalk sowie zur
Geschichte des Standorts. Im Freige-
lände fand ein hervorragend erhaltener
römischer Brennofen Aufstellung, aus-
gegraben bei Essenbach. Bei den regel-
mäßig stattfindenden Aktionstagen im
Ziegel- und Kalk Museum können große
und kleine Gäste selbst tätig werden.
www.ziegel-kalkmuseum.de
Die Durchschreitung des Brennkanals mit
seinen in der Hitze verglasten Oberflächen
gehört zu den besonderen Erlebnissen im
Ziegel- und Kalk Museum Flintsbach.
Imposante Dächer prägen den Anblick des Ziegel- und Kalk Museums in Flintsbach. Rechts
der Ringofen mit Schornstein, links das geschickt ins Ensemble eingepasste Ausstellungs-
gebäude mit Lichtband im Giebel. Im Hintergrund erhebt sich das ehemalige Amtshaus.