Seite 128 - EDITION Bayern : Industriekultur in Bayern

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Im Augsburger Siebentischwald, unmittel-
bar neben der großen Wehranlage Hoch-
ablass, stößt der Spaziergänger auf ein
leuchtend gelb gehaltenes Bauwerk mit
zwei Türmen in spätklassizistischer Bau-
weise. Heute wird in diesem ehrwürdigen
Gebäude Strom erzeugt. Ursprünglich aber
trieben die Turbinen des
Wasserwerks am
Hochablass
die Pumpen für die Versor-
gung Augsburgs mit Trinkwasser direkt an.
Das Werk ging 1879 in Betrieb. Die jahr-
hundertealte Wasserversorgung mit den
Wassertürmen entlang der Stadtmauer hat-
te damals die rasch wachsende Industrie-
stadt Augsburg nicht mehr versorgen kön-
nen. Die technische Einrichtung des neuen
Wasserwerks am Hochablass wurde von
der Maschinenfabrik Augsburg geliefert.
Sie bestand aus drei Francisturbinen und
drei gewaltigen Pumpensätzen, liegenden,
doppelt wirkenden Kolbenpumpen, die fast
wie Dampfmaschinen aussehen. Für gleich
bleibenden Druck in denWasserleitungen der Stadt sorgten – an-
stelle eines Hochreservoirs oder Wasserturms – raumhohe
Druckwindkessel (Hydrophore) im Wasserwerksgebäude. Der
besondere Charme der Maschinenhalle speist sich aus der
Wechselwirkung der archaisch anmutenden Maschinen und der
repräsentativen Ausstattung mit Terrazzoboden und Schablo-
nenmalerei an den Wänden. 1973 legte man die nahezu 100-jäh-
rigen Kolbenpumpen und die zugehörigen Wasserturbinen still.
In der Dampflokhalle im Bahnpark Augsburg wird neben mächtigen
Lokomotiven diniert. Oder man lauscht einem Konzert: von den
Augsburger Philharmonikern bis zum „Jazz im Bahnpark“.
Den Maschinensaal des Wasserwerks am Hochablass in Augsburg
aus dem Jahr 1879 prägt der reizvolle Gegensatz von Pumpanlage
und repräsentativer Ausstattung des Bauwerks mit Terrazzoboden
und Schablonenmalerei.