Seite 111 - EDITION Bayern : Industriekultur in Bayern

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BAYERN UND SEINE INDUSTRIEDENKMÄLER
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umgebaut. Der Brauereikamin blieb erhalten und erinnert an
die Brautradition. „Loft living“ – ob in der ehemaligen Fabrik
oder in der Brauerei verspricht heute ein besonderes Wohnge-
fühl und erfreut sich größter Beliebtheit.
WAS TUN MIT INDUSTRIEDENKMÄLERN:
BEISPIEL GEWERBE
Siebzehn Gebäude aus fast 100 Jahren auf sieben Hektar Fläche:
nach der Stilllegung des Betriebs 1995 hatte die Anlage der ehe-
maligen Spinnerei in Forchheim großes Glück. Im Gegensatz
zu vielen anderen Industriebauten stand sie nicht leer und ver-
wahrloste, sondern wurde in einen Gewerbepark umgewandelt.
Rund 50 Unternehmen aus den verschiedensten Branchen haben
heute ihren Sitz in diesem Industriedenkmal. Die Kosten für den
Umbau waren niedriger, als die Kosten für Abbruch, Entsorgung
und einen vergleichbaren Neubau gewesen wären. Es gelang
durch die schonende Umnutzung, den historischen Baubestand
vollständig zu erhalten.
Ein „Meisterwerk des Industriebaus in Bayern“ (Werner Kraus)
steht in Regensburg unter Denkmalschutz: In dem 1909/10 ent-
standenen Reinigergebäude des ehemaligen Gaswerks mit sei-
nem mächtigen Bogendach wurde Rohgas von Zusatzstoffen
„gereinigt“. Seit 2003 nehmen hier die Mitarbeiter der Regens-
burger Energie- und Wasserversorgung AG (REWAG) in einem
hellen und luftigen Kasino ihr Mittagessen ein, der Vorstand hält
in eleganten kleineren Räumen seine Sitzungen ab – das alles
in einem Industriedenkmal, das schon zum Abbruch bestimmt
war.
WAS TUN MIT INDUSTRIEDENKMÄLERN:
BEISPIEL AMBIENTE /ALLTAG /ALLTAGSLEBEN
Zu den Wahrzeichen der Stadt Rosenheim zählt die ehemalige
Kunstmühle, 1890 errichtet und 1916 durch ein Silogebäude
ergänzt. Bis 1976 wurde in dem architektonisch anspruchs-
vollen Gebäude Mehl gemahlen, dann sollte die Mühle abge-
brochen werden. Sie entging diesem Schicksal und bietet heute
einem Café, einer Kaffeerösterei, Läden und Büros Räume mit
Geschichte. Auch in der Oberpfalz hat der Genuss Einzug in
ein Industriedenkmal gehalten: In der ehemaligen Papierfabrik
Laabermühle in Neumarkt in der Oberpfalz kann man Büros
mieten, eine Pizza essen und biologisch erzeugte Lebensmit-
tel kaufen. Die Laabermühle stammt aus dem 19. Jahrhundert,
als der neue Ludwig-Donau-Main-Kanal – heute seinerseits ein
Denkmal – vielen Mühlen in der Umgebung von Neumarkt
wortwörtlich das Wasser abgegraben hat. Von 1956 bis 1996
diente das Gebäude als Papierfabrik, dann folgten zehn Jahre
Leerstand und Verfall. Jetzt hat dieses Denkmal eine neue Per-
spektive erhalten: Es gibt dabei Auskunft über die alten Zeiten
und hält damit ein Stück bayerischer Wirtschaftsgeschichte fest
für die Zukunft. Das können alle Industriedenkmäler, unabhän-
gig davon, ob sie um- oder weitergenutzt werden!
Greipl, Egon Johannes (Hg.):
Der Geschichte auf der Spur,
2. Etappe, Volk Verlag, Mün-
chen 2012
Lesetipp