Seite 106 - EDITION Bayern : Industriekultur in Bayern

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BAYERN UND SEINE INDUSTRIEDENKMÄLER
INDUSTRIEBAU ALS DENKMAL:
EIGENTLICH LOGISCH
Das Kachlet in Passau ist eines. Das Jochensteinkraftwerk
ebenso. Auch die Gebäude der ehemaligen Augsburger Kamm-
garnspinnerei, das ehemalige Stahl- und Walzwerk Maxhütte,
die ehemaligen Porzellanfabriken in Selb und in Coburg, der
Ludwig-Donau-Main-Kanal, der Hauptbahnhof in Nürnberg,
der Ringlokschuppen und die „Schiefe Ebene“ im oberfränki-
schen Neuenmarkt, das ehemalige Gaswerk in Regensburg
und die Augustinerbrauerei in München zählen dazu. Wovon
die Rede ist? Von Industriedenkmälern: Anlagen zur Erzeu-
gung von Strom und Gas, Verkehrsbauwerke, Fabriken. Das
Kachlet erzeugt bis heute Strom, die Augustinerbrauerei braut
immer noch Bier und vom Hauptbahnhof in Nürnberg fahren
ICE-Züge in alle Richtungen, unter anderem über die „Schiefe
Ebene“ nach Mitteldeutschland. Aber viele dieser Bauwerke
sind, was ihre Funktion betrifft, etwas „Ehemaliges“. Die Max-
hütte in der Oberpfalz dämmert mit ungewissem Schicksal vor
sich hin; der Ringlokschuppen, viele Textil- und Porzellanfab-
riken sind heute Museen geworden. Im Gasreinigergebäude in
Regensburg essen Angestellte zu Mittag, in der Porzellanfabrik
in Coburg und in der Nähfadenfabrik in Göggingen bei Augs-
burg sind schicke Wohnungen eingerichtet.
Gebäude der ehemaligen Augsburger Kammgarnspinnerei in der Fabrikstraße 11
Robust, sperrig und unterschätzt –
Bayern und seine Industriedenkmäler
Egon Johannes Greipl