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Die Bayernausstellung 2026 zeigt den Kampf um die Demokratie Anfang der 1920er Jahre und wie sich darin der 1913 nach Bayern übersiedelte Adolf Hitler von der Zuschauer-, in die Statisten-, und schließlich in die Hauptrolle drängt.

In Anlehnung an die großen Literaten und Theatermacher der Zeit erzählt die Ausstellung die politische Geschichte Bayerns in den frühen 1920er Jahren in der Form eines Dramas.

 

1918 – Revolution

Zehntausende demonstrieren am 7. November 1918 auf der Münchner Theresienwiese für Frieden. Nach vier Jahren Weltkrieg hat das alte monarchische System abgewirtschaftet. Angeführt von Kurt Eisner gewinnt ein kleiner Teil der Demonstrierenden nach der Friedenskundgebung die Soldaten für den Umsturz. Eisner erklärt über 700 Jahre Wittelsbacher Herrschaft in Bayern für beendet und ruft den Freistaat aus. Mit seiner Ermordung im Februar 1919 und der Ausrufung von Räterepubliken radikalisiert sich die Revolution. Anfang Mai wird die linke Räteherrschaft in Bayern von Reichswehr und Freikorps blutig niedergeschlagen. Vor Ort ist in diesen Tagen auch der ohne Perspektive aus dem Krieg heimgekehrte Soldat Adolf Hitler.

1918 protestieren als erstes die Arbeiterinnen und Arbeiter massenhaft für ein Kriegsende und für politische Reformen. Im November 1918 wird schließlich die Monarchie gestürzt. Die politischen Protagonisten führen den Kampf um die Demokratie fortan mit theatralisch-bühnenhaften Inszenierungen. Mehr dazu online im HdBG-Portal „Revolution! Bayern 1918/19“

 

Ordnungszelle Bayern

Ministerpräsident Gustav von Kahr formt Bayern Anfang der 1920er Jahre zur reaktionären „Ordnungszelle“ und zum Sammelbecken der Republikfeinde. Seine Macht stützt er auf paramilitärische Verbände wie die Einwohnerwehren. Beim ersten Landesschießen der bayerischen Einwohnerwehren hält Kahr die Eröffnungsrede. Es wird zur Machtdemonstration der rechten Kräfte und sorgt zwei Jahre nach Ende des Ersten Weltkriegs international für Aufsehen. Außen vor ist in dieser Episode noch Adolf Hitler, der zum wichtigsten Propagandaredner der rechtsextremen Splitterpartei NSDAP aufsteigt. Seine erste Wahlkampfreise führt ihn wenige Tage nach dem Landesschießen nach Österreich.

Anlässlich des Ersten Landesschießens der bayerischen Einwohnerwehren stiften Förderer, wie der Freikorpsanführer Franz von Epp, Preise für die Schießwettbewerbe. Das Motiv der Ehrenscheibe zeigt das Selbstverständnis der Einwohnerwehren, die nach der Revolution für den vermeintlichen Schutz der Heimat und die Rückkehr zu „Ruhe und Ordnung“ einstehen.

1923 - Im Bierkeller

Das Krisenjahr 1923 bringt den Extremisten Zulauf und führt die Weimarer Republik an den Abgrund. Die Ruhrbesetzung, die laufende Geldentwertung, die Angst vor einem kommunistischen Umsturz sowie der Zorn über die harten Friedensbedingungen des Versailler Vertrags füllen die Bierkellerauftritte Adolf Hitlers. 1923 wächst die Mitgliederzahl der rechtsextremen Splitterpartei NSDAPvon 8.000 auf 55.000 Mitglieder, der Großteil davon in Bayern.

Der Versailler Vertrag vom 28. Juni 1919 schreibt gemäß Artikel 231 die alleinige Kriegsschuld Deutschland zu und sieht hohe Reparationskosten, Gebietsabtretungen sowie die Limitierung der militärischen Truppenstärke auf 100.000 Mann vor. So entsteht in der Bevölkerung das Bild vom angeketteten Deutschland, das seiner Freiheiten beraubt worden sei. Für Hitler sind der Vertrag und die demokratischen Politiker, die ihn unterzeichneten, ständige Angriffsziele seiner Reden.

… und im Salon der feinen Gesellschaft

Unter ehemaligen Offizieren, Beamten, Gewerbetreibenden und in vielen bürgerlichen Salons geht nach der Revolution die Abstiegsangst um. Wohlstand und Lebensweise scheinen durch die Inflation, das Ende der alten Ordnung und die aufbegehrende Arbeiterschaft bedroht. Auf Vermittlung Dietrich Eckarts und Ernst Hanfstaengls erhält Hitler Zugang zu den „besseren Kreisen“. In den Salons der Bechsteins, Bruckmanns und Wagners begegnet er Schriftstellern, Gelehrten und Industriebaronen – viele von ihnen radikale Rechte. Sie fördern den Emporkömmling Hitler, der ihnen bei der Abwehr des „Bolschewismus“ und der Wiederherstellung deutscher Größe dienlich sein soll.

Beim „Deutschen Tag“ in Bayreuth kommt es im September 1923 zu einem ersten Treffen zwischen Adolf Hitler und der Familie des von ihm bewunderten Richard Wagner. Wagners Schwiegertochter Winifred wird zu einer glühenden Verehrerin Hitlers, die er unzählige Male in Bayreuth besucht. Die enge Beziehung zur Familie Wagner bedeutet für Hitler eine enorme gesellschaftliche Aufwertung. Winifred Wagner vermittelt ihm wichtige Kontakte und hält ihm ein Leben lang die Treue. 1926 tritt sie in die NSDAP ein.

1923 - Putsch

Im Herbst des Krisenjahres 1923 ernennt die Bayerische Staatsregierung Gustav von Kahr zum Generalstaatskommissar mit diktatorischen Vollmachten. Als dieser am 8. November 1923 im voll besetzten Bürgerbräukeller sein Programm vorstellt, erwarten Viele im Publikum eine Erklärung, wie die verhasste Berliner Reichsregierung gestürzt werden könne. Doch die Veranstaltung wird jäh unterbrochen. Hitler entert die Bühne und erklärt seinerseits die Regierung für abgesetzt. Nachdem sich bayerische Entscheidungsträger, Reichswehr und Landespolizei gegen den Putsch stellen, scheitert dieser bereits wenige Stunden später. 

Als letzte Verzweiflungstat starten die Putschisten am 09. November 1923 einen Demonstrationszug durch München. Dieser wird von der Bayerischen Landespolizei an der Feldherrnhalle gestoppt. Es kommt zum Schusswechsel. 20 Menschen sterben, darunter vier Landespolizisten. Der Putsch verkommt in der öffentlichen Wahrnehmung, trotz seiner Radikalität und Gefährlichkeit, zum verspotteten „Kasperltheater“ und zur „Hanswurstiade“. Die notorische Unterschätzung des Putsches und Hitlers wird sich auf verhängnisvolle Weise bis 1933 fortsetzen.

1924 - Justizskandal

Am 26. Februar 1924 beginnt der Prozess gegen Hitler und weitere Hochverräter. Auf Einspruch der bayerischen Regierung findet das Verfahren nicht vor dem zuständigen Reichsgericht in Leipzig, sondern vor einem Münchner Volksgericht statt. Begünstigt durch den bayerischen Justizminister Franz Gürtner und Richter Georg Neithardt macht Hitler den Gerichtssaal zu seiner Bühne. Die Niederlage vor der Feldherrnhalle münzt er in einen Propagandasieg um.

Da Fotografieren verboten ist, liefern Gerichtszeichner, wie Otto D. Franz (1871–1963), Eindrücke vom Prozess. Hier dokumentiert er einen Monolog Hitlers während der Verhandlung. Am 1. April 1924 verhängt das hier ebenfalls dargestellte Gericht skandalös milde Strafen: Hitler geht wegen „ehrenhafter Motive“ fünf Jahre in privilegierte Festungshaft in Landsberg. Dort hält er Besprechungen ab, empfängt Besuche und schreibt an der Hetzschrift „Mein Kampf“. Bereits am 20. Dezember 1924 kommt er vorzeitig frei. 

Epilog

Es grenzt an ein Wunder: Die junge Demokratie überlebt vorerst alle Krisen. Die Republik feiert die vermeintlich „Goldenen Zwanziger“. Auch in Bayern stabilisiert sich die politische Lage. Währenddessen beginnt Adolf Hitler mit dem Wiederaufbau der NSDAP, die nun die Machtübernahme auf formal legalem Wege anstrebt. In Bayern erteilt die Regierung Hitler vorrübergehend Redeverbot. Doch eine Gefahr scheint er nicht mehr darzustellen. Ein Irrtum, wie sich ab 1929 zeigt. Die Weltwirtschaftskrise führt zu Massenarbeitslosigkeit, Armut und politischer Radikalisierung.

Eine Schützenscheibe zeigt den Krisenkreislauf: Amerikanische Finanzinstitute, die kräftig in Deutschland investiert haben, geben keine Kredite mehr, Aufträge bleiben aus, die Produktion wird zurückgefahren, die Arbeitslosigkeit vervielfacht sich.