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Bayerische Landesausstellung 2015

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Albrecht Adam: pris du côté de Borodino le 6 Septembre

 


Das heitere Wetter und die völlige Waffenruhe des 6. machte ich mir trefflich zu Nutzen. Ich entwarf eine sehr genaue Zeichnung von dem Terrain und der Aufstellung der Russen in einem halben Panorama. Mein überaus scharfes Auge leistete mir hiebei die besten Dienste. Ich bemerkte jede Bewegung der Russen. So entstand eine Zeichnung von großem historischen Werthe. Aber diese Arbeit wäre mir bald übel bekommen. Ich hatte mich möglichst weit vorgemacht und saß stundenlang an einem und demselben Flecke, mein Pferd, ein Schimmel, stand neben mir, das mag besonders durch seine Farbe die Aufmerksamkeit der Russen auf mich gezogen haben. Es fiel plötzlich ein Kanonenschuß aus der großen Redoute der Russen, die Kugel sauste mir an den Ohren vorüber und riß einem armen Artilleristen, der hinter mir stand und mit großem Interesse meiner Arbeit zusah, den linken Arm weg. Durch diesen unerwarteten derben Fingerzeig veranlaßt, zog ich mich weiter zurück nach dem Platze, wo Prinz Eugen mit seiner Suite stand … Ségur erwähnt in seinem Werke dieses Kanonenschusses, des einzigen, der an diesem Tage fiel. Er gab zu den sonderbarsten Vermuthungen Anlaß. Ségur z.B. meint, diese Kugel habe dem Kaiser gegolten, der sich aber in jenem Augenblicke viel weiter zurück auf der Höhe von Borodino befand; allein der Schuß war zu gut gezielt und die Wahrscheinlichkeit zu groß, daß er meiner unbedeutenden Persönlichkeit gegolten habe.

Albrecht Adam: Aus dem Leben eines Schlachtenmalers, Stuttgart 1886
© Bayerisches Armeemuseum Ingolstadt