Haus der Bayerischen Geschichte – Gleis 11 - Migrationsgeschichte in Bayern

Lebensläufe

Der Münchner Hauptbahnhof war für den Großteil der aus dem Ausland ankommenden Arbeitskräfte die erste Station in Deutschland. Am Gleis 11 kamen täglich Sonderzüge mit bis zu 1000 Menschen an: Italiener, Griechen, Jugoslawen, Tunesier, Marokkaner und Türken wurden von Dolmetschern empfangen und in den Bunker geführt, wo das Landesarbeitsamt Südbayern eine Weiterleitungsstelle eingerichtet hatte. Hier wurden die Anforderungen der Unternehmen aus ganz Deutschland koordiniert. Eine rote Ziffer im Arbeitsvertrag entschied darüber, wohin ihre Reise weiterging – nach Berlin oder Braunschweig, nach Giesing oder Gelsenkirchen.

Für das Dokumentartheaterprojekt „Gleis 11“ wurden verschiedene Schicksale exemplarisch herausgegriffen und in Szene gesetzt. So entstand ein Theaterstück jenseits der stereotypen Wahrnehmung der „Gastarbeiter“. Die Darstellerinnen und Darsteller erzählten, was sie bewegt hat, ihre Heimat zu verlassen, und was sie in Deutschland erlebt haben: ein Italiener, der Geld für ein Motorrad verdienen wollte und stattdessen die Liebe seines Lebens fand, eine Griechin, deren Kinder in Thessaloniki die Großmutter bald mit „Mama“ ansprachen, weil sie ihre ausgewanderte Mutter, die sie als Kleinkinder zurücklassen musste, gar nicht kannten, ein 18-jähriger Münchner, der als Arbeitsvermittler im Bunker arbeitete, und viele andere mehr …


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