HDBG MAGAZIN #6 - Krisen in Bayern - Seuchen, Kriege, Naturkatastrophen und ihre Folgen

Doch wie jede Krise – auch die Hungerkatastrophe zog manch positive Wirkung nach sich. Man beschäftigte sich intensiver mit der Verbesserung der Landwirtschaft und der bisher vernachlässigte Kartoffelanbau wurde gefördert. Einen höheren Stellenwert wies man nun auch dem Kampf gegen Krankheiten zu, woraus eine Stärkung der medizinischen Wissenschaft resultierte. Wach gehalten wurde die Erinnerung an die Not dieser Jahre durch Medaillen oder Andenken wie das Gedenkkästchen, das eine Bäuerin in Niederbayern in Auftrag gab. Unter einem kleinen „Kreuzerwecken“ heißt es: „Da man schreibet 1772. Jahr / Da ein unerherde Theuerung war. / Ja so groß war die hungersnoth / so da an zaeigt diß Kleine Brod.“ Rainhard Riepertinger Haus der Bayerischen Geschichte LITERATUR Abel, Wilhelm: Massenarmut und Hungerkrisen im vorindustriellen Deutschland, Göttingen 1972. Collet, Dominik: Die doppelte Katastrophe. Klima und Kultur in der europäischen Hungerkrise 1770–1772, (Umwelt und Gesellschaft, Bd.18), Göttingen 2019. Rankl, Helmut: Die bayerische Politik in der europäischen Hungerkrise 1770–1773. In: Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte, Bd. 68 (2005), S. 745–779. Vasold, Manfred: Die Hunger- und Sterblichkeitskrise von 1770/73 und der Niedergang des Ancien Régime. In: Saeculum. Jahrbuch für Universalgeschichte, Bd. 59 (2008), S. 107–142. GEDENKKÄSTCHEN MIT HUNGERBROT, DORNWANG 1772 Der kleine Kreuzerwecken, der trotz geringerem Gewicht für einen 50 Prozent höheren Preis verkauft worden war, erinnert an die Hungersnot des Jahres 1772. Das Kästchen deutet aber auch an, dass wohlhabende Bauern weniger von der Krise betroffen waren, sonst hätte die Stifterin das Brot wohl eher gegessen. 37 | HDBG MAGAZIN Die Hungerkrise 1770–1773

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