Frauenarbeit

Auf Hof und Feld

Über 90 Prozent der bayerischen Bevölkerung arbeiteten bis in das 20. Jahrhundert in der Landwirtschaft. Frauen wirtschafteten als selbständige Bäuerinnen oder arbeiteten als Tagelöhnerinnen und als Mägde.

Frauensache war die Versorgung der Kühe, das Melken und die Weiterverarbeitung der Milch. Frauen versorgten das Kleinvieh, bestellten den Garten und verarbeiteten Flachs und Hanf.

Seit dem frühen 19. Jahrhundert verbreitete sich der Anbau von Kartoffeln und Zuckerrüben. Der mühevolle Anbau dieser Hackfrüchte wurde vor allem von Frauen übernommen. Eine ähnliche Entwicklung fand beim Hopfenbau statt.

Je kleiner der Hof, desto mehr vermischten sich die weiblichen und die männlichen Arbeitsbereiche. Mägde arbeiteten auch auf großen Höfen bei der Ernte und beim Heuen mit, manchmal auch beim Dreschen.

Tagelöhnerinnen und Kleinstbäuerinnen pflügten, säten und ernteten gemeinsam mit den Männern.

Die Mechanisierung der Landwirtschaft brachte auch für die Frauen Erleichterung, wenn auch Maschinen als erstes für „Männerarbeiten" eingesetzt wurden.

In den letzten Jahrzehnten führte der Strukturwandel der Landwirtschaft oft zu einer größeren Arbeitsbelastung der Bäuerin. In „Nebenerwerbsbetrieben" - die weniger als die Hälfte des Einkommens aus der Landwirtschaft erwirtschaften - fällt meist der Frau der Hauptanteil der Feld- und Stallarbeit zu.

Sennerin
Die Sennerin Anna Wasensteiner
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Wrasmannkarren
Wrasmannkarren
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Frauen in Handwerk und Gewerbe

Frauen waren seit jeher in Handwerk, Handel und Gewerbe tätig.

Selbständige Meisterinnen gab es vor allem in der Textilherstellung und Textilverarbeitung, im Nahrungsmittelgewerbe und in den Luxusgewerben.

Die meisten Frauen arbeiteten jedoch als Familienangehörige, als Lohnarbeiterinnen oder als Mägde in Betrieben, die von Männern geführt wurden.

Seit dem 16. Jahrhundert wurden die Frauen immer mehr aus dem Handwerk zurückgedrängt. In manchen Zünften wurde die Zusammenarbeit mit Frauen für unehrenhaft erklärt.

Dennoch war Frauenarbeit weiterhin unverzichtbar. In den archivalischen Quellen tauchen die Frauen meist erst nach dem Tod des Ehemannes auf. Das Fortführungsrecht der Witwen ermöglichte mancher Frau, den Familienbetrieb jahre- und jahrzehntelang allein zu führen.

Im Laufe des 19. Jahrhunderts entstanden mit der Industrialisierung neue Arbeitswelten. Viele Berufe, in denen Frauen bislang tätig waren, starben aus.

Krug
Walzenkrug
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Brotverkäuferin
Brotverkäuferin
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Schmiedin
Die Schmiedin
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Mit Mörser, Pistill und Stethoskop

Frauen hatten im Laufe der Geschichte an der Heilkunde bedeutenden Anteil.

Trotz der wenigen Quellen lassen sich auch im mittelalterlichen Deutschland Frauen in Heilberufen nachweisen. Sie betrieben wie auch ihre männlichen Kollegen eine empirische Naturheilkunde und Volksmedizin.

Mit der Entstehung der Universitäten im 13. und 14. Jahrhundert, zu denen nur Männer zugelassen waren, begann auch in der Heilkunde ein Prozeß der Professionalisierung, der die Frauen verdrängte und schließlich ausschloß.

In späteren Jahrhunderten arbeiteten die Frauen häufig in der Praxis oder Offizin des Ehemannes oder Vaters mit. Sie erwarben dabei fundierte Kenntnisse, die es ihnen oft ermöglichten, nach dem Tod des Mannes auf diesem Gebiet weiterzuarbeiten.

Die Klosterapotheken stellten das letzte Refugium für Frauen dar, die Pharmazie wissenschaftlich betreiben wollten. Fast zwei Drittel der altbayerischen Frauenklöster führten eine eigene Apotheke (und nur ein Viertel der Männerklöster). Der Kampf der bürgerlichen Apotheker gegen die angebliche Konkurrenz durch die Klosterapotheken traf daher besonders die Nonnen. Mit der Säkularisation wurden die meisten Klosterapotheken aufgelöst.

Erst 1899 wurden Frauen in Bayern wieder zur Ausbildung als Apothekerin zugelassen, das Medizinstudium wurde ihnen erst 1903 zugestanden.

Tisch
Rezepturtisch
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In fremden Diensten

Eine Lebensphase als Dienstmagd gehörte zum Lebenslauf der meisten bayerischen Frauen früherer Jahrhunderte. Die Mägde lebten (wie auch die Knechte) im Familienverband der Hofbesitzer. Sie bezogen als Lohn eine Geldsumme, Verpflegung und Unterkunft. Zudem erhielten sie oft noch ein oder zwei Kleidungsstücke, ein Paar Schuhe und Flachs zum Spinnen. Mägde wurden schlechter bezahlt als Knechte.

Die Dienstboten verpflichteten sich für ein Jahr; Dienstantritt war meist an Lichtmeß (2. Februar). Das bäuerliche Arbeitsjahr war von zahlreichen Feiertagen unterbrochen. An diesen galten wie an Sonntagen strenge Arbeitsbeschränkungen. Doch die Versorgung von Mensch und Vieh ließ sich an diesen Tagen nicht verschieben: sie blieb überwiegend Aufgabe der Frauen. Die Dienstwechseltermine waren der einzige „Urlaub", den die Mägde hatten.

Mit der fortschreitenden Industrialisierung lösten sich seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die überkommenen Sozialstrukturen auf. Die wachsenden Städte schienen bessere Möglichkeiten zu bieten. Doch die Lebensbedingungen der städtischen Dienstmädchen waren häufig miserabel. Seit Ende des 19. Jahrhunderts wurden Dienstbotenvereine gegründet. Sie hatten jedoch einen relativ geringen Zulauf und konnten die Arbeitssituationen nicht wesentlich verbessern.

Funktionarium
Martinsbucher Funktionarium
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Industrie- und Fabrikarbeiterinnen

Der Durchbruch zur industriellen Gesellschaft geschah in Bayern in den 1870er Jahren. Von Anfang an arbeiteten auch Frauen in bayerischen Fabriken.

1907 war jeder fünfte Fabrikarbeitsplatz von einer Frau besetzt.

Der wichtigste Arbeitgeber für Frauen war die Textilindustrie.
Im Unterschied zu anderen Ländern stand an zweiter Stelle die Metallindustrie.

Frauen wurden vor allem für schlecht bezahlte Arbeiten eingesetzt, die keine besondere Qualifikation und Berufsausbildung erforderten.

Insbesondere bei alleinstehenden Frauen reichte der knappe Lohn kaum dazu aus, den Lebensunterhalt zu bestreiten.

Von ihren männlichen Kollegen wurden die Arbeiterinnen meist nicht unterstützt. Arbeiterorganisationen ließen Frauen von vorneherein nicht als Mitglieder zu oder schlossen sie aus, als Ende des 19. Jahrhunderts der politische Druck auf die Gewerkschaftsbewegung zunahm.

In der Folge wurden die Arbeiterinnenvereine gegründet. Sie standen unterschiedlichen politischen Richtungen nahe. Doch konnten sie weder eine rechtliche und tarifliche Gleichstellung der Arbeiterinnen noch die gesellschaftliche Akzeptanz der Frauenarbeit durchsetzen.

Fahne
Fahne des katholischen Arbeiterinnenvereins Kaufbeuren
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Nächstenliebe als Beruf

Immer wieder begründeten Stifterinnen bedeutende soziale Einrichtungen, die teilweise jahrhundertelang Bestand hatten.

Die herkömmliche Armenfürsorge erwies sich angesichts der zunehmenden Massenarmut im 19. Jahrhundert als unzureichend.

Hier kam dem sozial-karitativen Engagement einzelner Frauen besondere Bedeutung zu. Sie gründeten Heime für Mädchen, alte und behinderte Frauen, riefen Mädchenschutz und Bahnhofsmission ins Leben und ermöglichten anderen Frauen eine professionelle Berufsausbildung.

In sozialer, pädagogischer und pflegerischer Tätigkeit sahen in der Folgezeit viele Frauen ihre Berufung, der sie ihr Leben widmeten. Arbeiten, die bislang innerhalb der Familie unentgeltlich ausgeübt wurden, wurden professionalisiert und aufgewertet. Die Besoldung dieser Tätigkeiten blieb bis heute gering.

Wallmenich
Clementine von Wallmenich
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Hoerner
Marie Hoerner und Prinzessin Elise von Hohenlohe-Schillingsfürst
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Schild
Hinweisschild der Katholischen Bahnhofsmission
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Weiblicher Lebenslauf Selbst ist die Frau

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