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1623, Regensburg

Auf dem Regensburger Fürstentag im Januar 1623 überträgt Kaiser Ferdinand II. die pfälzische Kurwürde und die Pfandherrschaft über die Oberpfalz auf den bayerischen Herzog Maximilian. Ein lang ersehntes Ziel bayerischer Politik scheint erreicht. 

Währenddessen bluten in Prag noch die Wunden des kaiserlichen Strafgerichts: Hinrichtungen, Vertreibungen, Zwangsbekehrungen, weitgehender Verlust der böhmischen Selbstständigkeit. Triumph und bittere Niederlage liegen eng nebeneinander. All dies sind Folgen des „Prager Fenstersturzes“ von 1618 und der „Schlacht am Weißen Berg“ von 1620, wo der bayerische General Tilly mit der bayerisch-habsburgischen Armee das Ende des böhmischen Ständestaates besiegelte. Hier, in den vielfach verbundenen Ländern Bayern und Böhmen, hatte der Krieg angefangen, der 30 Jahre lang Mitteleuropa verheeren sollte.

Schon inmitten von Krieg, Hunger und Seuchenzeiten, dann aber vor allem ab der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts beginnen weltliche und geistliche Bauherren mit großen Bau- und Dekorationsunternehmungen im barocken Stil. Klöster und Adelsresidenzen, Pfarrkirchen und bald auch Profangebäude in Städten und Dörfern werden neu errichtet oder zumindest erneuert. Ein noch nicht dagewesener Bauboom erfasst beide Länder, ein europaweit einzigartiger gemeinsamer Kulturraum entsteht.

1723, Prag

Es ist das Fest des Jahrhunderts – mit europäischer Ausstrahlung. In Prag werden der habsburgische Kaiser Karl VI. und seine Gemahlin Elisabeth Christine als böhmisches Königspaar gekrönt. Diese Machtdemonstration der Habsburger befestigt ihre Herrschaft über die Länder der böhmischen Krone. Vor allem aber soll sie die Thronansprüche konkurrierender Dynastien – auch der bayerischen Wittelsbacher – in die Schranken weisen. Und so entfesselt man eine barocke Pracht, die ihresgleichen sucht:  Gottesdienste, Prozessionen, Bankette, eine Festoper im eigens errichteten Theater für 4.000 Personen. Die barocke Welt ist eine Schaubühne mit klarer Botschaft: alles zum höheren Ruhm der Herrscher von Gottes Gnaden. Krise und Neubeginn – das ist der zugleich düstere und ermutigende Hintergrund dieser Zeit. Denn „Barock“ ist eben viel mehr als Zwiebelturm und Schnörkelgold