Anfang des 19. Jahrhunderts ist Bayern ein gebeuteltes Land: Der Staat hebt die Klöster auf und verleibt sich ihren Besitz ein. Damit brechen wichtige soziale Fürsorgeeinrichtungen weg. Ein Vulkanausbruch führt 1816 zum „Jahr ohne Sommer“. Unwetter, Missernten und Inflation lassen die Bayerinnen und Bayern hungern. Frauen aus allen gesellschaftlichen Schichten springen in die Bresche: Von Königin Karoline als „Landesmutter“ bis zu den zahllosen anonymen Helferinnen, die Spenden sammeln oder in Suppenküchen Essen an die Ärmsten ausgeben.
Getragen durch den Gedanken der Barmherzigkeit und Nächstenliebe setzen sich geistliche Frauengemeinschaften für ihre Mitmenschen ein: Evangelische Diakonissen kümmern sich in sogenannten Kinderbewahranstalten um die Kleinsten aus sozial benachteiligten Familien.
Der katholische Orden der Englischen Fräulein gründet ein weites Netz an Schulen und setzt sich besonders dafür ein, dass auch Mädchen endlich ihr Abitur machen dürfen.
Die Industrialisierung erfasst Bayern. Kinderarbeit in den Fabriken, aber auch in der Landwirtschaft raubt vielen Mädchen und Jungen ihre Kindheit. In den Werkhallen schuften Arbeiterinnen und Arbeiter für einen kargen Lohn.
Aber nicht alle Betroffenen sind bereit, dies hinzunehmen. Arbeiterinnen wie Therese Studer ergreifen die Initiative, bilden sich fort, engagieren sich in Vereinen und Verbänden, setzen sich für die Belange ihrer Standesgenossinnen ein.
Um 1900 zieht es viele Menschen in die Stadt auf der hoffnungsvollen Suche nach einem besseren Leben. Frauen aus dem aufstrebenden Bürgertum befreien sich zunehmend aus dem Korsett ihrer Zeit und fordern die gleichen Rechte in einer männlich dominierten Welt.
Im Fotostudio Elvira in München treffen sich Künstlerinnen und Literatinnen, sie diskutieren, wie Gleichberechtigung möglich wäre. Auf dem ersten Bayerischen Frauentag von 1899 kommen Frauenrechtlerinnen aus ganz Bayern zusammen.
Was können Familien tun, die bei der Betreuung kranker Angehöriger an ihre Grenzen stoßen?
Schwester Theresia Haselmayr und Angelina Martin versuchen Antworten darauf zu finden. In Dillingen und in Ursberg in Bayerisch-Schwaben entstehen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts Einrichtungen zur Betreuung von Menschen mit Behinderung.
Es gibt verschiedene Wege zur Genesung: In Bad Wörishofen wird seit über 100 Jahren die heilende Kraft des Wassers genutzt. Dabei spielen Frauen im Umfeld von Sebastian Kneipp eine bedeutende Rolle: Ohne sie hätte seine Lehre keine weltweite Bekanntheit erlangt. Im Bereich der Schulmedizin trägt der Einsatz der Frauenrechtlerinnen für die Mädchenbildung Früchte: Das Frauenstudium in Bayern wird erlaubt. Die ersten bayerischen Ärztinnen und Forscherinnen erringen den ihnen zustehenden Platz.
1914 taumelt Europa in die Katastrophe des Ersten Weltkriegs. An der „Heimatfront“ kommt es auf die Frauen an: In den Fabriken und zahlreichen anderen Arbeitsplätzen halten sie die Maschinen am Laufen. Einige vernetzen sich international und kämpfen für den Frieden – umsonst. Bald ist auch medizinische Hilfe in den Kriegslazaretten gefragt.
In der Weimarer Republik erringen Frauen das Wahlrecht und die ersten weiblichen Abgeordneten verschaffen sich in den Parlamenten Gehör. Doch die Schrecken der NS-Diktatur machen alle Fortschritte wieder zunichte. Die Frau wird in der NS-Propaganda auf die Mutterrolle reduziert. Menschen, die etwa aufgrund einer Behinderung nicht in die sogenannte Volksgemeinschaft passen, werden zwangsweise sterilisiert, später oft ermordet.
Dies trifft auch Bewohner aus Ursberg. Trotz der Bemühungen der Schwestern sind 379 Tote zu beklagen, die nicht vergessen werden. Erschütternd ist auch das traurige Schicksal des sechsjährigen jüdischen Mädchens Gabi Schwarz: Zunächst bei einer Allgäuer Bauersfamilie versteckt, wird sie schließlich doch in Auschwitz ermordet.
Der NS-Gewaltherrschaft stellen sich nur wenige offen entgegen. Maria Seidenberger entwickelt und verschickt heimlich im KZ Dachau aufgenommene und herausgeschmuggelte Fotos. Ende April 1945 dokumentiert sie mit ihrer eigenen Kamera den Todesmarsch der KZ Häftlinge. Auch Sophie Scholl bezahlt für ihren Kampf gegen das NS-Regime mit dem Leben.
US-Truppen stehen vor Landau an der Isar. Einige Einwohnerinnen setzen sich für die Kapitulation der Stadt ein, um sie vor der Zerstörung zu bewahren. Doch an vielen Orten Bayerns hinterlassen die Schrecken des von den Nationalsozialisten verursachten Zweiten Weltkriegs riesige Trümmerfelder. Viele Frauen machen sich ans Aufräumen. Welche Rolle spielen hierbei die „Trümmerfrauen“?
Mehr zur Nachkriegszeit finden sie in unserem Atlas zum Wiederaufbau.
Heute protestieren Frauen unter anderem für körperliche Selbstbestimmung, gleiche Bezahlung und einen gleichberechtigen Platz in der Gesellschaft. Auch die Zukunft der Pflege ist ein Thema, das auf den Nägeln brennt. Heutige Retterinnen Bayerns berichten, warum sie helfen, wem sie helfen und wo sie sich selbst Hilfe wünschen würden.