Museum der Stadt Amberg

 

Die Umsetzung in der Ausstellung

Die Ausstellung wurde im Stadtmuseum Amberg gezeigt. Sie befand sich im 1989 sanierten ehemaligen Baustadel der Stadt, einem Gebäude aus dem 15. und 16. Jahrhundert. Im Jahr 2002 wurde ein Erweiterungsbau errichtet, so dass mit der Landesausstellung zugleich das Museum in wesentlich veränderter Gestalt neu eröffnet werden konnte. Die Ausstellungsfläche umfasste etwa 1600 m²; der Rundgang bezog bewusst die abwechslungsreiche Folge historischer und moderner Architektur mit ein. Etwa 400 Ausstellungsobjekte, Inszenierungen und Multimediastationen bildeten optische und akustische Erlebniseinheiten, in denen eine historische Epoche lebendig wurde.

Die Ausstellung hat sich insbesondere an deutsche und an tschechische Besucher gewendet. Damit Gäste aus Tschechien die Ausstellung mit Gewinn besuchen konnten, wurden Texte und Führungen auch in tschechischer Sprache angeboten.

 

"Du steckst mit schnellem lauff
das Hasen Baner auff
der Winter war vor handen
drum flohest du mit Schanden
ein König, sehr vergessen,
eins einigen Winters gewesen."
 
Die Ereignisse um Friedrich von der Pfalz lösten einen der ersten großen "Medien-Kriege" aus. Zahlreiche Flugblätter verspottenen Friedrich als "Winterkönig" - übrigens nicht nur von katholischer, sondern auch von lutherischer Seite. Unter diesem Beinamen ging Friedrich in die Geschichtsschreibung ein.

Auch die Ausstellung verwendet den Namen in ihrem Titel. Und doch soll sie Klischees aufbrechen und die scheinbar so sicheren Urteile einer Prüfung unterziehen. War die Entscheidung Friedrichs, die böhmische Krone anzunehmen, tatsächlich der Irrtum eines unreifen Politikers? Musste sie unweigerlich in den Untergang führen? Versuchten die böhmischen Stände den Aufstand der Niederlande gegen das Haus Habsburg nachzuahmen?

Friedrich von der Pfalz auf dem Rad der Fortuna

Friedrich von der Pfalz auf dem Rad der Fortuna
Flugblatt von 1621

In solchen Fragen liegt der Reiz der ersten großen Ausstellung über Friedrich V. Sie lässt die historischen Geschehnisse gleichsam aus der Perspektive eines "Verlierers" kenntlich werden. Es soll eine Epoche lebendig werden, in der bei aller zeitbedingten Fremdheit vieles von dem grundgelegt wurde, was bis heute das Leben im Zentrum Europas prägt. Dies geschieht anhand optischer Erlebniskapitel, die aus qualitätsvollen Exponaten, aber auch aus Inszenierungen und Multimediastationen bestehen.

Hochrangige Gemälde der niederländischen Malerei sind ebenso zu sehen wie die wenigen erhaltenen persönlichen Zeugnisse und anrührende, bisher noch nie gezeigte Überreste aus dem Alltag der "einfachen Leute" im Dreißigjährigen Krieg. Die Schicksale der Kinder des Königspaars werden anhand von Erinnerungsstücken in eigenen Kabinetten dargestellt.

 

Die sieben Kinder des Königs und der Königin von Böhmen
Cornelius van Poelenburgh: Die sieben Kinder des Königs und der Königin von Böhmen, 1628
© Szépmüvészeti Muzeum, Budapest