Landtagsgebäude Prannerstraße 20, München (1819-1933)
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Das Landtagsgebäude an der Prannerstraße wird 1818 in einem ehemaligen Redoutenhaus eingerichtet und entspricht zunächst keineswegs den Ansprüchen eines regen Parlamentsbetriebes. In Folge des akuten Raummangels wird es ab 1821/22 immer wieder erweitert und umgebaut. Am Ende sind es ingesamt sieben zwischen Prannerstraße, Rochusberg und Salvatorstraße gelegene Anwesen, die im Gebäudekomplex aufgehen. Daraus ergibt sich ein äußerst verwinkelter Grundriss.

Die größten Umbauarbeiten werden 1884/85 durchgeführt, als die ursprünglichen Einzelanwesen durchgängig miteinander verbunden und einheitlich auf drei Etagen aufgestockt werden. Bei diesem Umbau werden auch die Sitzungssäle der beiden Kammern umgestaltet. Vor allem für die Kammer der Abgeordneten bringt dies Vorteile mit sich, da die Sitzbänke nun halbkreisförmig um das Präsidium angeordnet sind und endlich über die unerlässlichen Schreibpulte verfügen.

Die besten Zimmer befinden sich an der Hauptfront zur Prannerstraße hin, weil sie hell und geräumig sind. Hier befinden sich die Räume der Präsidenten der beiden Kammern, Ausschusssäle sowie die Kanzleien der Kammern. Allerdings haben auch diese Zimmer eine Reihe von Nachteilen: so wird etwa die Arbeit in ihnen durch die große Hitze in den Sommermonaten und den von der lebhaft befahrenen Prannerstraße heraufdringenden Lärm stark beeinträchtigt. Die in den hinteren Gebäudeteilen liegenden Räume sind häufig düster und stickig - auch der Sitzungssaal der Kammer der Abgeordneten, in dem sich ab 1919 der nunmehr nur noch aus einer Kammer bestehende Landtag versammelt - ist vollkommen fensterlos.

Nach der Beseitigung des Landtags durch das "Gesetz über den Neuaufbau des Reiches" von 1934, wird das Gebäude von den neuen Machthabern als "Haus der Nationalsozialisten" genutzt. So residiert die Gauleitung von München-Oberbayern unter Adolf Wagner etwa im ehemaligen Sitzungssaal der Kammer der Reichsräte; ebenfalls im Gebäude eingerichtet werden Büroräume für die SS, die Landesstelle Bayern des Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda, das Reichsinstitut für die Geschichte des neuen Deutschland, sowie die Landesanstalt für Kurzschrift.

Zu Beginn des Jahres 1942 zieht das - in seiner Heimat ausgebombte - Berliner Rundfunkorchester in das ehemalige Landtagsgebäude ein. Die Proben finden im früheren Plenarsaal statt, der für diesen Zweck einen Parkettboden erhält und komplett schalldicht verkleidet wird. Nach einem Volltreffer in der Münchner Bombennacht vom 24. auf den 25. April 1944 ist das Gebäude so stark zerstört, dass eine weitere Nutzung nicht möglich ist. Auch nach dem Krieg wird das Gebäude nicht wieder aufgebaut.

Heute steht an der Stelle des ehemaligen Landtagsgebäudes das so genannte "Pranner Plenum", in dem Büro- und Geschäftsräume untergebracht sind.

Götschmann, Bayerischer Parlamentarismus, S. 146-161
Bayerisches Hauptstaatsarchiv, MInn 47578, MF 69368 u. MF 69370
Wolfgang Reinicke, "Der bayerische Landtag im Zeichen des Hakenkreuzes", in: Region - Nation - Vision. Festschrift für Karl Möckl zum 65. Geburtstag, hg. v. Werner K. Blessing u.a., Bamberg 2005, S. 197-215


Schützenscheibe auf die Eröffnung der ersten Ständeversammlung des Königreichs Bayern am 4. Februar 1819
Öl / Holz,  104 x 129, 
© Digitalbild: Haus der Bayerischen Geschichte, Augsburg


Sitzungssaal der Kammer der Reichsräte
Stich, 
© Bayerischer Landtag, München


Die zerstörte Prannerstraße In der Nacht vom 24. auf den 25. April 1944 werden große Teile der Münchner Altstadt Opfer eines Bombenangriffs der Alliierten. Auch das ehemalige Landtagsgebäude wird getroffen und ist so stark zerstört, dass auch nach dem Krieg von einem Wiederaufbau abgesehen wird. Im Bild ist nicht das Landtagsgebäude selbst, sondern eines der angrenzenden Palais' (hier: Palais Giese-"Arcohaus", Prannerstraße 10) zu sehen.
Johann Meyer
08.05.1944,  Fotografie, 
© Stadtarchiv München, DE-1992-FS-WKII-STR-2714


Außenansicht des Landtagsgebäudes in der Prannerstraße im Jahr 1932 Durch den Umbau in den Jahren 1884/85 werden die Einzelgebäude des Landtagskomplexes miteinander verbunden. Auch die Hauptfassade zur Prannerstraße wird durchgängig auf drei Etagen aufgestockt und erhält ein einheitliches Gepräge.
17.06.1932,  Fotografie, 
© Stadtarchiv München, DE-1992-FS-STB-1367-M


Rückansicht des Parlamentsgebäudes an der Prannerstraße 1842
1842, 
© Bayerischer Landtag, München


Sitzungssaal der Kammer der Abgeordneten
1848,  Stich, 
© Haus der Bayerischen Geschichte, Augsburg


Außenansicht des Landtagsgebäudes an der Prannerstraße Blick auf das Landtagsgebäude an der Prannerstraße (in der Bildmitte). Das ehemalige Redoutenhaus bietet dem Landtag keinen repräsentativen Rahmen - die Räumlichkeiten sind beengt und entsprechen keineswegs den Anforderungen eines Parlamentsbetriebs mit zwei Kammern. Im Laufe der Zeit werden auch die angrenzenden Häuser angekauft und miteinander verbunden. Allerdings entsteht dadurch ein äußerst verwinkelter Gebäudekomplex.
Aquarell von Christian Steinicken
1884,  Aquarell, 
© Stadtarchiv München, DE-1992-HV-BS-B-03-35


Der Landtagsgebäudekomplex an der Prannerstraße Auch diese Frontalansicht des Landtagsgebäudes an der Prannerstraße verdeutlicht die bescheidenen Verhältnisse, in der das Parlament untergebracht ist. Die Anwesen links und rechts des Hauptgebäudes werden in den Jahren 1821/22 und später angekauft. In das auf der rechten Seite gelegene „Gräflich Joner'sche Palais“ zieht die Kammer der Reichsräte; mit den drei eher bescheidenen Wirts- und Bürgerhäusern auf der linken Seite muss sich die Kammer der Abgeordneten begnügen.
O. Rickerl
1884,  23,2 x 31,5, 
© Münchner Stadtmuseum


Sitzungssaal der Kammer der Reichsräte
O.Rickerl
1884,  Aquarell, 
© Bayerischer Landtag, München


Sitzungssaal der Kammer der Abgeordneten
O.Rickerl
1884,  Aquarell, 
© Bayerischer Landtag, München


Der Sitzungssaal der Kammer der Abgeordneten
Adolf Koestler
1912,  Fotografie, 
© Bayerische Staatsbibliothek München / Bildarchiv


Sitzungssaal der Kammer der Reichsräte
Adolf Koestler
1912,  Fotografie, 
© Bayerische Staatsbibliothek München / Bildarchiv


Königsbilder im Sitzungssaal der Kammer der Reichsräte
Adolf Koestler
1912,  Fotografie, 
© Bayerische Staatsbibliothek München / Bildarchiv


Das Rote Zimmer der Kammer der Reichsräte
Adolf Koestler
1912,  Fotografie, 
© Bayerische Staatsbibliothek München / Bildarchiv


Das Ministerzimmer
Adolf Koestler
1912,  Fotografie,  29 x 22, 
© Bayerische Staatsbibliothek München / Bildarchiv


Das Finanzausschusszimmer der Kammer der Reichsräte
Adolf Koestler
1912,  Fotografie, 
© Bayerische Staatsbibliothek München / Bildarchiv


Das Finanzausschusszimmer der Kammer der Abgeordneten
Adolf Koestler
1912,  Fotografie, 
© Bayerische Staatsbibliothek München / Bildarchiv


Das Lesezimmer der Kammer der Abgeordneten
Adolf Koestler
1912,  Fotografie, 
© Bayerische Staatsbibliothek München / Bildarchiv


Das Präsidium der Kammer der Reichsräte 1912
Adolf Koestler
1912,  Fotografie, 
© Bayerische Staatsbibliothek München / Bildarchiv


Die Kammer der Reichsräte 1912
Adolf Koestler
1912,  Fotografie,  23 x 29, 
© Bayerische Staatsbibliothek München / Bildarchiv


Das Präsidium der Kammer der Abgeordneten 1912
Adolf Koestler
1912,  Fotografie, 
© Bayerische Staatsbibliothek München / Bildarchiv


Die Zentrumsfraktion in der Kammer der Abgeordneten 1912
Adolf Koestler
1912,  Fotografie, 
© Bayerische Staatsbibliothek München / Bildarchiv


Die Zentrumsfraktion in der Kammer der Abgeordneten 1912
Adolf Koestler
1912,  Fotografie, 
© Bayerische Staatsbibliothek München / Bildarchiv


Zentrumsfraktion und freie Vereinigung 1912
Adolf Koestler
1912,  Fotografie, 
© Bayerische Staatsbibliothek München / Bildarchiv


Sozialdemokratische Fraktion im Sitzungssaal der Kammer der Abgeordneten 1912
Adolf Koestler
1912,  Fotomontage,  17 x 20, 
© Bayerische Staatsbibliothek München / Bildarchiv


Die Fraktionen der Liberalen Vereinigung und des Bauernbunds im Sitzungssaal der Kammer der Abgeordneten 1912
Adolf Koestler
1912,  Fotomontage, 
© Bayerische Staatsbibliothek München / Bildarchiv


Linke Ministerbank im Sitzungssaal der Kammer der Abgeordneten
Adolf Koestler
1912,  Fotografie,  17 x 21, 
© Bayerische Staatsbibliothek München / Bildarchiv


Rechte Ministerbank im Sitzungssaal der Kammer der Abgeordneten
Adolf Koestler
1912,  Fotografie,  17 x 20, 
© Bayerische Staatsbibliothek München / Bildarchiv


Die Prannerstraße heute
Wolfgang Reinicke
2006,  Fotografie, 
© Wolfgang Reinicke


Das Landtagsgebäude als "Haus der Nationalsozialisten" Das Landtagsgebäude kommt nach der Beseitigung aller Länderparlamente durch das "Gesetz über den Neuaufbau des Reiches" vom 30.01.1934 in die Verwaltung des Finanzministeriums. In dem mittlerweile als "Haus der Nationalsozialisten" bezeichneten Gebäude residieren u.a. der Gauleiter von München-Oberbayern Adolf Wagner, das Reichsinstitut für die Geschichte des neuen Deutschland, Abteilungen der SS sowie des Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda.
Wilhelm Nortz
ca. 1934,  Fotografie, 
© Stadtarchiv München, DE-1992-FS-NS-0111-M


(Weitere) Bilder auf CD-Rom verfügbar.