© Haus der Bayerischen Geschichte, Augsburg
Loritz, Alfred
Geboren: München, 24.04.1902
Gestorben: Wien, 14.04.1979
Beruf(e)/Ämter: Staatsminister
Jurist
Rechtsanwalt
Wohnort(e): München
Konfession: katholisch
Parteizugehörigkeit: Wirtschaftliche Aufbau-Vereinigung (WAV)
fraktionslos

Mitgliedschaft im
Bayer. Parlament:
Verfassunggebende Landesversammlung: 30.06.1946-26.10.1946
Landtag: 01.12.1946-26.11.1950
Informationen zu den Landtagen bzw. Legislaturperioden:
Verfassunggebende Landesversammlung von 1946  Der Landtag 1946-1950 (1. Legislaturperiode) 
Verfassunggebende Landesversammlung von 1946:
Wahlkreis:
  • Oberbayern
Der Landtag 1946-1950 (1. Legislaturperiode):
Wahlkreis:
  • Oberbayern
Ausschüsse:
  • Ausschuss für den Staatshaushalt: 16.12.1946 bis 29.01.1947 Mitglied
  • Ausschuss für den Staatshaushalt: 04.03.1949 bis 17.03.1949 Mitglied
  • Ausschuss für Fragen des Länderrats und für Fragen bizonaler und mehrzonaler Art: 20.02.1947-26.11.1950 Mitglied
  • Zwischenausschuss: 04.03.1949 bis 17.03.1949 Mitglied
Weitere Funktionen:
  • Ältestenrat: 16.12.1946-22.01.1947 Mitglied
  • Ältestenrat:04.03.1949-17.03.1949 Mitglied
  • WAV: 16.12.1946-17.03.1949 Fraktionsvorsitzender
Mandatsunabhängige Funktionen:
Kabinetts-
zugehörigkeit:
  • 21.12.1946-24.06.1947 Staatsminister für Sonderaufgaben
Mitgliedschaft in anderen Parlamenten:
  • 1949-1953 Mitglied des Deutschen Bundestags

Biogramm:
  • Vater: Stellvertreter des Regierungspräsidenten von Oberbayern
  • Studium der Rechts- und Staatswissenschaften in München (u.a. bei Hans Nawiasky)
  • 1926 Staatsexamen und Zulassung als Rechtsanwalt
  • 1928-1932 Mitglied der Reichspartei des Deutschen Mittelstandes (Wirtschaftspartei)
  • seit 1930 als Rechtsanwalt auch in der Schweiz tätig
  • Dezember 1930-Mai 1931 Chefredakteur der Freien Mittelstandszeitung (Parteiorgan)
  • 1931-1932 Vorsitzender der Wirtschaftspartei für den Reichstags-Wahlkreis Oberbayern und Schwaben, Mitglied im Parteiausschuss und im Ehrengericht
  • 1932 Parteiausschluss (Verstoß gegen die Satzung)
  • 1939 Ausschluss aus der Deutschen Anwaltskammer
  • September 1939 Emigration in die Schweiz (angeblich Kontakte zu westlichen Geheimdiensten)
  • Mai 1945 Rückkehr nach München und erneute Tätigkeit als Rechtsanwalt
  • seit 1945 Präsident der "Interessensgemeinschaft aller vom Nationalsozialismus politisch Verfolgten"
  • Dezember 1945 Mitbegründer und Vorsitzender der Wirtschaftlichen Aufbauvereinigung (WAV)
  • 30.06.1946-26.10.1946 Mitglied der Verfassunggebenden Landesversammlung und des Verfassungsausschusses
  • 01.12.1946-26.11.1950 Mitglied des Bayerischen Landtags (WAV)
  • 21.12.1946-24.06.1947 Bayerischer Staatsminister für Sonderaufgaben (Staatsminister für die politische Befreiung) unter Ministerpräsident Hans Ehard (u.a. zuständig für die Entnazifizierung in Bayern)
  • seit März 1947 Mitglied des Parlamentarischen Rats des Länderrats der US-Zone in Stuttgart
  • 24.06.1947 Amtsenthebung als Sonderminister wegen Verdachts auf Anstiftung zum Meineid und Schwarzmarkthandel
  • 15.07.1947 Aufhebung der Immunität als Landtagsabgeordneter
  • 19.07.1947 Verhaftung wegen des Verdachts auf Verleitung zum Meineid
  • September 1947 Flucht aus der Untersuchungshaft
  • September 1947-Oktober 1948 im Untergrund
  • Oktober 1948 Verhaftung; Verurteilung zu 3 Monaten Haft
  • seit Ende 1948 wieder Vorsitzender der WAV
  • 1949 Aufhebung der Immunität wegen einer Beleidigungsklage; Prozessaussetzung auf Druck der US-Militärregierung
  • 14.08.1949-06.09.1953 Mitglied des Deutschen Bundestags (bis 1951 WAV-Fraktionsvorsitzender, dann fraktionslos)
  • 21.06.1951 Ausschluss aus der WAV-Fraktion wegen seines autokratischen Führungsstils und eigenmächtiger Verhandlungen mit der rechtsradikalen Sozialistischen Reichspartei (SRP)
  • 09.09.1951 Wiederwahl zum Partei-Vorsitzenden der WAV
  • seit Anfang der 1950er Jahre zunehmender Zerfall der Partei, verstärkte Integration neonazistischer Gruppen in die WAV; Ende 1951 Auflösung der WAV-Bundestagsfraktion
  • 29.04.1953 erneuter Beitritt zur WAV
  • 1953 Umbenennung der WAV in Deutsche Aufbau-Vereinigung (DAV)
  • 1955 Anklage (Verdacht auf Anstiftung zum Meineid und Falschbeurkundung)
  • 1955/1959 Flucht vor dem neuen Strafverfahren nach Österreich
  • 1959 Verurteilung zu 3½ Jahren Zuchthaus und Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte für 5 Jahre
  • seit 1962 Gewährung politischen Asyls in Österreich; Bemühungen um Revision des Urteils
  • 1964 aus der Münchner Anwaltsliste gestrichen
GND: 118574434
Literatur/Quellen:
  • Bretschneider, Heike: Gewählte von ehedem. Alfred Loritz, München 1979.
  • Fait, Barbara / Mintzel, Alf (Hg.): Die CSU 1945-1948. Protokolle und Materialien zur Frühgeschichte der Christlich-Sozialen Union, Bd. 3: Materialien, Biographien, Register, München 1993, S. 1899.
  • Kock, Peter Jakob: Alfred Loritz - "Mischung aus Karl Valentin und Adolf Hitler", in: Maximilianeum 1999 (2), S. 27.
  • Körner, Hans-Michael (Hg.): Große Bayerische Biographische Enzyklopädie, München 2005, Bd. 2, S. 1209.
  • Röder, Werner / Strauss, Herbert A. (Hg.): Biographisches Handbuch der deutschsprachigen Emigration nach 1933, Bd. 1: Politik, Wirtschaft, Öffentliches Leben, München u.a. 1980, S. 461.
  • Schmidt, Eduard: Staatsgründung und Verfassungsgebung in Bayern. Die Entstehung der Bayerischen Verfassung vom 8. Dezember 1946, München 1997, Bd. 2, S. 145.
  • Schumacher, Martin (Hg.): M.d.B. Volksvertretung im Wiederaufbau 1946-1961. Bundestagskandidaten und Mitglieder der westzonalen Vorparlamente. Eine biographische Dokumentation, Düsseldorf 2000, S. 253.
  • Winge, Sören: Die Wirtschaftliche Aufbauvereinigung (WAV). 1945-1953. Entwicklung und Politik einer "undoktrinären" politischen Partei in der Bundesrepublik in der ersten Nachkriegszeit, Stockholm 1976.
  • Woller, Hans: Die Loritz-Partei. Geschichte, Struktur und Politik der Wirtschaftlichen Aufbau-Vereinigung (WAV) 1945-1955, Stuttgart 1982.

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