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Filser, Josef
Geboren: Mingharding, 16.09.1856
Gestorben: unbekannt, unbekannt
Beruf(e)/Ämter: Ögonohm und barlamendarrischer Abgeorneter
Wohnort(e): Mingharding
Konfession: katholisch
Polit. Richtung: Zendrum

Mitgliedschaft im
Bayer. Parlament:
Kammer der Abgeordneten: 1899-?
 

Biogramm:
  • Schule in Mingharding
  • Erlernung des Mäzgerhandwergs
  • Milidärzeid in Minken
  • Seit 1899 "durch das Ferdrauen des Folkes barlamendarrischer Abgeorneter"
  • Das genaue Datum des Endes der Mitgliedschaft im Landtag ist nicht bekannt - vielleicht trifft man ihn auch heute noch bei der ein oder anderen Gelegenheit dort an - in seinem "Bemiehen, als Man des Folkes gerecht zun regihren"...
  • Josef Filser, "kgl. Abgeordneter im Barlamend", hat als Hinterbänkler der Zentrumspartei 1907-1912 in Briefwechseln die bayerische Politik begleitet. Der Vater von Josef Filser, der Einserjurist Ludwig Thoma, hat sich mit diesem "gscheerten Bauern", diesem "Gloiffi", der auch in seinem Bühnenstück "Erster Klasse" auftritt, die Möglichkeit geschaffen gegen die Zentrumspartei und den politisierenden Klerus zu flegeln. Auch der fränkische Verwaltungsbeamte und der schwäbische Minister haben einen festen Platz in den Filserbriefen, die, illustriert von Eduard Thöny, im Münchner "Simplicissimus" erschienen. Filser ist jedoch nicht nur das Sprachrohr Thomas, sondern auch seine Zielscheibe. Der bauernschlaue Altbayer, der vom Land in die große Stadt reist und sich an den "groskobfeden" reibt, ist andererseits ein Teil dieses Systems. Er ist das "Stimmvieh", zu dem damals die meisten bäuerlichen Abgeordneten gehörten, dem der heimische Pfarrer sagt, welche Politik die richtige ist: "Ich habe als Man des Folkes nichd gewißt das ich zur Regirung beruffen bin sontern inser hochwirninger Her Bfarrer hat es entdekt." Der Briefwechsel ist auch fast 100 Jahre nach seinem Erscheinen immer noch ein Bestseller unter den Bavarica. Ein Schelm, wer da Böses denkt. | Fon Irem liben Freind | Oh. Zäh., Gadalogaudor
  • Mit dem „königlichen (Zentrums-)Abgeordneten im Barlamend” Josef Filser schuf Ludwig Thoma 1907 das Urbild des naiven, unwissenden, aber bauernschlauen Altbayern, der vom Land in die Stadt kommt um „Bolidiek” zu machen. Was damals als Kritik an der Zentrumspartei und ihrer Wählerschaft konzipiert war, kann auch als Kritik an einer Politik gesehen werden, die man aus Eigennutz und um der Privilegien willen, wie Zugfahrten 1. Klasse, macht.
  • Ludwig Thoma: Briefwechsel eines bayrischen Landtagsabgeordneten, München, 1935: „Liebe Mari, | Ich mus Dir schreiben, das ich gud ankomen bin und die fard war sehr schön in der erschden Klaß … Ich wär liber in der dritten Klaß gfarren, weil der Wagner Sepp drin war, aber leider ich mus erschder Klaß farren, weil ich im Barlamend bin … Dan sin mir nach Minchen komen und ich bin zum Bögnerwirth im Thal, wo mir den Bardeischwur leisten müssen. Es sind viele geischtlinge Herren dagewesen, die wo gesagt haben, mir brauchen blos das Maul halden und sie machen es schon. Libe Mari, ich bin froh, das ich keine Rede nicht halden brauch, sondern das Maul … (Die Partei) zerfalt in mehrere theile wo mahn aber fon ausen nichd siecht. der erschte teihl siend die wo schon ier scheffchen in Drokenen hawen und durch iere bolidiek was gewohrden siend zan beispiel landgerichtsbresadentn und Schuhlrekter und dohmkabiduhlar und sonzt groskobfede. der zweithe theil siend die wo noch was wehrden wohlen zan beispiel kohbrater und geischlinge auf schlächte bfahreien. die meischten bei ienen sind bei der bosd und eusenban und freien sich das sie gengen iere forgesäzten den foz aufreisen derfen und die hende in hosensakh stekhen bald sie mid einen minischter räden staht bielethen zun ferkaufn wozu sie gebohren siend. der drithe theil ist das biderne landfolk und ist der schämel auf den die ahndern steihgen damid das sie gröser ausschaugn.”
GND: 129067075
Literatur/Quellen:
  • AK Bavaria, Germania, Europa, Nr. 8.17 (online unter: http://www.hdbg.de/bavaria2003/de/c_vergro/c08_04/text.htm (05.07.2018)
  • http://www.hdbg.de/bavaria2003/de/c/c02.htm

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