Magazin : EDITION BAYERN Sonderheft #9

Menschen kommen nach Bayern – Zuzug in den Freistaat Ferdinand Kramer Zuzug und Bevölkerungswachstum in Bayern Zuzug von Menschen prägte in hohemMaß die Geschichte Bayerns seit den 1940er-Jahren. Bayerns Bevöl- kerung wuchs von 1939 bis 1950 von 7 auf 9,1 und dann bis 1987 auf 10,9 sowie schließlich bis 2015 auf 12,7 Millionen Menschen. 1 Ein großer Teil dieses Bevölkerungswachstums ging auf Wanderungsbewegungen beziehungsweise -gewinne, also auf Zuwanderung aus anderen Ländern der Bundesrepublik, aus Europa und verschiedenen Ländern der Welt zurück. Der Zuzug veränderte die Lebenswelten der Menschen in Bayern, berührte Einheimische und Zuzügler gleichermaßen – in der Nachbarschaft, am Arbeitsplatz, im Alltag und auch in zahlreichen Familien, in die Menschen aus anderen Ländern einheirateten oder aufgenommen wurden. Der Zuzug forderte Kommunen und Freistaat heraus, für eine wachsende Bevölkerung die notwendige Infrastruktur an Wohnungen, Bildungseinrichtungen et cetera zu schaffen. Er eröffnete dem Land Chancen durch die Erfah- rung von Anderem, durch die Arbeitsleistung und die Kenntnisse der Neubürger, durch deren überregionale und transnationale Netzwerke und oft auch durch ihre interkulturelle Kompetenz. Der Zuzug löste aber auch immer wieder Ängste aus, führte zu Konflikten und politischen und gesellschaftlichen Debatten über Möglichkeiten und Begrenzung von Zuzug, über Arbeitslosigkeit, Belastung der Sozialkassen, über innere Sicherheit oder über staatliches und gesellschaftliches Selbstverständnis und Identitäten und auch über die Lebensverhältnisse der Zugezogenen. Die Neubürger bauten sich eine Existenz auf und waren gefordert, sich in Bayern mit seinen Eigenheiten zu orientieren und zu integrieren, ihre Herkunftsidentitäten neu zu justieren und mit der Erfahrung des neuen Lebensumfeldes in Bayern in Einklang zu bringen. Links: „Initiative zur Einbürgerung“: Informationsblatt des Integrationsbeauftragten der Bayerischen Staatsregierung, 2012 55 Menschen kommen nach Bayern

RkJQdWJsaXNoZXIy MjY4MzQ=