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D

as östliche Alpenvorland um

Landshut lässt auf den ersten und

fachlich unvoreingenommenen

Blick eines ahnungslosen Reisen­

den so gar nicht vermuten, dass es in

seiner Entstehung mit dem Hochgebirge

der Alpen, das sich südlich anschließt, in

vielerlei Weise verknüpft ist. Man kann

es von hier allzu oft nicht einmal sehen.

Doch gehört es zum regionalen Bildungs­

gut, dass die sanfte Hügellandschaft um

Landshut mit dem breiten Tal der Isar

den oberen Abschluss einer gewaltigen

geologischen Senke darstellt, die als

„Süddeutsches Molassebecken“ bekannt

ist. Dieses Becken, das sich in leicht bo­

genförmigem Verlauf und in wechselnder

Breite vom Genfer See bis in den Wiener

Raum über 1000 Kilometer weit erstreckt,

enthält in Mächtigkeiten von maximal

über 5000 Metern den Abtragungsschutt

der Alpen, die seit der geologischen Epo­

che des früheren Tertiärs (vor ca. 35 Mil­

lionen Jahren) ihren Aufstieg als Gebirge

begonnen hatten und dabei gleichzeitig

der Abtragung unterlagen. Eine Schwelle

im Landshuter Raum, das„Landshut-Neu­

öttinger Hoch“, lässt das Becken hier nicht

ganz so tief werden, Bohrungen sind bei

ca. 400 Metern auf Malmkalke und nutz­

bare, heiße Tiefenwässer gestoßen, aber

schon der östlich benachbarte„Braunauer

Trog“ enthält um die 1000 Meter Abtra­

gungssedimente.

IN WEC H S E LND E R FO LG E

bauen Meeres-

und festländische, zum Beispiel Fluss­

ablagerungen, die Sedimentfüllung des

Beckens auf (Sande, Mergel, Tone, Kiese),

weil es sich mit der Gebirgshebung einer­

seits weiter absenkte (Meeresvorstöße von

Südosten her), sich aber als Ganzes mit

den Alpen auch anhob (Landwerdung).

Nach einem ersten derartigen Wechsel

der Ablagerungsverhältnisse (Untere Mee­

resmolasse / Untere Süßwassermolasse,

Letztere nur im westlichen Becken) folgte

ein zweiter (Obere Meeresmolasse /Obere

Süßwassermolasse). Die während dieser

zweiten Etappe entstandenen Sedimente

bilden den unmittelbaren Untergrund im

Raum um Landshut. Der ursprünglich aus

dem schweizerischen Alpenvorland stam­

mende Begriff der Molasse geht auf die

dortige Benennung eines weichen, marin

abgelagerten Sandsteins zurück, der sich

zur Herstellung von Mühlsteinen eignete.

M IT D E R WE IT E R E N HE BUN G

von Becken

und Gebirgskörper verschwand vor etwa

16 Millionen Jahren das Meer aus dem

Landshuter Raum. Durch vor allem von

den Alpen her eingetragene Schotter und

Sande entstand eine Aufschüttungsebene,

in der sich später bis in das Obermiozän

(vor zehn bis fünf Millionen Jahren) über

weite Strecken flache Seen und Sümpfe

einstellten. Aus diesen Stillwasserzonen

stammen die im östlichen Landshuter

Raum verbreiteten Tone, die als Grundstoff

für die Hafnerindustrie über lange Zeit

abgebaut wurden, wie etwa der Kröninger

Ton (vgl. S. 72f.). Eine erneute Belebung

der alpinen Hebung mit wiederum ver­

stärkter Sedimentschüttung führte räum­

lich und zeitlich zu ganz unterschiedlichen

Ablagerungsbedingungen, die bis heute

nachwirken, denn sie brachte zu beiden

Seiten des Isartals kleinräumige Gesteins­

wechsel und infolgedessen auf kleinem

Raum sich rasch wandelnde Bodengüten

mit sich.

BIS VO R E T WA AC H T M ILLI O NE N JAHR E N

traten die Grundzüge eines Flussnetzes in

Erscheinung, das die Mittelgebirgsalpen

über das nördliche Alpenvorland ent­

wässerte – zunächst nach Westen, zum

Rhônegraben hin, dann in umgekehrter

Richtung nach Osten durch die Hebung

des Schwarzwalds und die Absenkung

des Ungarischen Beckens. Bis zum Ende

des Tertiärs waren die Talzüge dieser

Entwässerung weiter fixiert worden und

das uns heute vertraute Bild der ostwärts

fließenden Donau mit ihren nördlichen

und südlichen Zuflüssen begann sich

abzuzeichnen.

DAM IT FAND

die tertiärzeitliche Land­

schaftsentwicklung ihren Abschluss, doch

das heutige„Niederbayerische Tertiärhü­

gelland“ musste sich noch den formenden

TAL DER EISZEITEN

ÜBER ALPINEM SCHOTTER

Im heutigen Landschaftsbild thront die Burg Trausnitz (oben) auf einem sporn-

artigen Vorsprung der tertiären Ablagerungen hoheitsvoll über dem breitsohligen

quartären Isartal. Dort ist uraltes Siedlergebiet, dort entstand die Stadt Landshut.

Zu erkennen ist das Leiter-Straßensystem der alten Kernstadt mit Altstadt (rechts),

Neustadt (links) und den kleinen Verbindungsgässchen als Sprossen.

GRUNDLEGUNG VON GESCHI CHTE:

DI E GEOLOGI E IM RAUM LANDSHUT

5

GEOLOGIE