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BAYERN

EDITION

nur auf Altbayern bezieht, also Oberund

Niederbayern sowie die Oberpfalz. Dieses

Altbayern wurde in den napoleonischen

Kriegen um Schwaben und Franken erwei­

tert. Alles zusammen wurde 1806 zum

Königreich Bayern erhoben. Besonders

die Franken konnten in diesem Königreich

hohes Gewicht beanspruchen, nachdem

sie im 19. Jahrhundert die sprichwört­

lichen„Mehreren“ waren, also zahlreicher

als die Altbayern, weil die (Rhein)Pfälzer

als Franken zählten.

Und die Franken waren verärgert, weil

die Altbayern in ihren Augen so taten,

als hätte sich Bayern nicht verändert.

Die Schwaben sahen dies ähnlich, einige

überlegten, ob man sich nicht besser

mit den Württembergern zusammentun

sollte. Daraus wurde jedoch nichts, weil

sich der Freistaat Bayern nach dem Zwei­

ten Weltkrieg zu einem herausragenden

Erfolgsmodell vor allem in wirtschaftlicher

Hinsicht entwickelte, der so genannte

Mythos Bayern. Es wäre auch zweifelhaft

gewesen, ob bei einer Separierung der

Schwaben alle Schwaben dabei gewesen

wären. Zumindest die Allgäuer hätten es

sich gründlich überlegt. Und damit sind

wir bei den Regionen angelangt, wie wir

sie in der EDITION BAYERN verstehen.

LANDSHUT

Mit diesem Heft wollen wir Sie mitneh­

men nach Landshut,„dem nützlichsten

und lustigisten ort vast mitten in Bairn“.

Ob dieses Urteil des bayerischen

Geschichtsschreibers Veit Arnpeck

(1440–1495) zutrifft, stellen wir, wer­

te Leserinnen und Leser, Ihrem Urteil

anheim. Veit Arnpeck, der in Landshut

einige Lebensjahre verbrachte, hat es hier

jedenfalls gefallen. Möglicherweise spielte

bei diesem Urteil die Landshuter Hochzeit

von 1475 eine Rolle. Ihre Wiederfeier seit

1903 begründete fraglos das weit über

Bayern hinausreichende Renommee und

den hohen Bekanntheitsgrad der nieder­

bayerischen Regierungshauptstadt. Die

Landshuter Hochzeit, die in Erinnerung

an die Hochzeit der polnischen Königs­

tochter Hedwig mit Herzog Georg gefeiert

wird, gilt als eines der größten Historien­

spektakel weltweit, wobei in Landshut das

Bemühen der über 2000 ehrenamtlichen

Mitwirkenden um historische Authentizi­

tät besonders hervorzuheben ist.

Dass Landshut Stadt wie Land aber weit

mehr zu bieten hat als die Landshuter

Hochzeit, auch ein Mehr an historischen

Traditionen und Monumenten, zeigt der

vorliegende Band. Insbesondere führt

er die Leistung Landshuts vor Augen,

aus Krisen gestärkt hervorzugehen. Die

kurzzeitigen Höhepunkte als Residenz

bayerischer Herzöge und Prinzen wurden

mittlerweile ebenso kompensiert wie der

Verlust der Universität – die heutige Lud­

wigMaximiliansUniversität in München

kommt gewissermaßen aus Landshut. Die

Hochschule für angewandte Wissenschaf­

ten besitzt hohes Potenzial. Nicht nur

Landshut Stadt, sondern auch Landshut

Umland glänzt mit herausragenden Wirt­

schaftsdaten. Von Landshut aus ist man

über Autobahn und Flughafen schnell

in der Welt. 1972 wurden die Altland­

kreise aufgelöst, um öffentliche Mittel zu

sparen und die wirtschaftlichen Kräfte zu

bündeln – heute feiert das bei aller Wirt­

schaftskraft durch globale Spieler immer

noch starke regionale Bewusstsein die

Renaissance der Altlandkreise Vilsbiburg,

Mallersdorf und Rottenburg. Von daher

war es für uns selbstverständlich, nicht nur

die berühmten Landshuter Denkmäler in

unserer EDITION BAYERN zu behandeln,

sondern auch die vielen für viele noch zu

entdeckenden Schätze oft vergleichbarer

Qualität und historischer Bedeutung im

Umland. Die aktuelle Kulturszene wie die

vielfältige Museumslandschaft, das reiche

Theaterleben, Literatur und Musik fanden

ebenso Eingang.

Dass sich die Vielfalt dieser Region in

unserem Heft widerspiegelt, verdanken

wir vor allem Gerhard Tausche, dem

Leiter des Stadtarchivs Landshut. Er hat

diesen Band angeregt und mit Rat und

Tat gefördert. Der Koordinator Christian

Muggenthaler hat mit ihm zusammen das

Konzept entwickelt und seine Kenntnis

der regionalen Szene eingebracht. Auto­

rinnen und Autoren aus Stadt und Land

haben ihr fundiertes Wissen zur Verfü­

gung gestellt. Im Haus der Bayerischen

Geschichte gilt der Dank für Koordination

und Redaktion Evamaria Brockhoff und

Wolfgang Jahn. ManfredWilhelm vom

Büro Wilhelm in Amberg hat den Band in

bewährter Weise gestaltet.

D R. R I C H AR D LO IBL

D IR E K TO R D E S H AUS E S D E R BAY E R IS C HE N

G E S C HI C H T E

LANDSHUT

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EDITORIAL