Previous Page  12 / 92 Next Page
Information
Show Menu
Previous Page 12 / 92 Next Page
Page Background

Metall, insbesondere der Bronze als Werkstoff – änderte sich an der

bäuerlichen Lebensweise kaum etwas. Die Dörfer lagen in Reichwei­

te der Isar, aber vermutlich nicht zu nahe. Doch nicht nur Häuser-

ensembles hinterlassen ihre Spuren im Boden. Auch Anlagen, deren

Nutzung nicht eindeutig geklärt ist: die so genannten Kreisgraben­

anlagen aus der mittleren Jungsteinzeit (5000–4500 v. Chr.). Solche

rätselhaften Bauwerke sind beispielsweise aus Viecht (Gemeinde

Eching) oder Mirskofen (Gemeinde Essenbach) bekannt. Entdeckt

wurden sie aus der Luft beziehungsweise bei geophysikalischen

Prospektionen. Die Luftbildkoryphäen Otto Braasch und Klaus

Leidorf, die beide im Raum Landshut leben, haben mit ihrer

einst revolutionären Methode mehrere Tausend neuer Fundstel­

len entdeckt. So wurde auch die Kreisgrabenanlage bei Viecht

fotografisch festgehalten. In der mittleren Jungsteinzeit bestand

die Anlage aus konzentrisch verlaufenden Gräben, die mit Stegen

verbunden waren. Mit der Zeit verfüllten sich die Gräben wieder,

sei es durch Zuschaufeln, durch Schlamm oder durch stetige Ein­

wehungen von organischem Material. Diese Grabenverfüllung ist

oft humoser als der anstehende Boden in ihrer Umgebung und

hat dadurch auch andere Eigenschaften. Wird nun in der heu­

tigen Zeit Getreide auf diesen, mit bloßem Auge nicht erkenn­

baren, uralten Anlagen angebaut, wächst es über diesen Gräben

anders, meist besser, und reift oft später als das restliche Getreide

des Feldes. Bei alten Mauerresten verhält es sich umgekehrt. Das

Getreide wächst schlechter und reift häufig früher. Diese Muster

werden vom Flugzeug aus sichtbar, ähnlich einem Teppichmus-

ter, das sich erst mit Abstand erschließt und nicht, wenn man

darauf liegt. Bei der geophysikalischen Prospektion werden

archäologische Befunde zerstörungsfrei untersucht, indem man

ihre physikalischen und magnetischen Eigenschaften analysiert.

Dadurch können Strukturen im Boden bildlich erfasst werden.

Der Sinn dieser Kreisgrabenanlagen wird in der Wissenschaft kon­

trovers diskutiert. Ethnologische Vergleiche mit beispielsweise

afrikanischen Viehkralen werden gezogen, es gibt auch religiöse

Deutungen der Anlagen als Kultstätten oder Kalenderbauten.

E INE ARC HIT E K TO NIS C H

ebenfalls ungewöhnliche Anlage wurde

1911 in der Nähe von Altheim (Gemeinde Essenbach) entdeckt.

Sie war namengebend für diesen Zeitabschnitt der so genannten

Altheimer Kultur (3900–3200 v. Chr.). Die ovale Grundform dieser

Anlage von 120 Metern Länge und 87 Metern Breite zeichnet

sich durch drei Gräben aus. Bei Ausgrabungen 1914 und 1938

wurden in diesen Grabenverfüllungen neben Keramik, Stein- und

Geweihwerkzeug sowie Pfeilspitzen auch Skelettfragmente von

22 Menschen gefunden. Der Nutzen dieser Anlagen ist rätselhaft.

Seit 2012 widmet sich ein Forschungsprojekt der Universität

Regensburg dem Altheimer Erdwerk. Die Ausgräber halten es

für denkbar, dass ein bewaffneter Konflikt und Blutvergießen zur

Tabuisierung der Anlage geführt haben könnten und sie fortan

gemieden wurde.

Z UR Z E IT D E R ALT HE I ME R

K U LT U R

kamen erstmals auch sumpfigere

Wohnlagen in Betracht. So genannte Feuchtbodensiedlungen

wie in Ergolding-Fischergasse oder jene am Koislhof zwischen

Altheim und Essenbach bieten zwar herausragende Konservie­

rung organischen Materials, als Premiumwohnlage kann diese

sumpfige Gegend jedoch nicht bezeichnet werden.

AUS D E R BR O N Z E Z E IT

(2200–850 v. Chr.) kennt man die ersten

einzig und allein zur Konfliktbewältigung angefertigten Gegen­

stände: Schwerter. Offenbar nahmen die Konflikte zu, die Men­

schen der Isarregion siedelten nun auch auf den steilen Flanken

der Isarhangleite. Die Lage bot sowohl Schutz als auch einen

strategischen Weitblick. Ein Fundort, der häufig mit dem nahen,

aber von seiner Topografie deutlich unterschiedlichen Höglberg

verwechselt wird, befindet sich an der Landshuter Carossahöhe,

einer Aussichtsplattform am Moniberg. An schönen Tagen reicht

der Blick von dort bis nach Freising. Oberhalb dieses Aussichts­

punktes liegt ein Plateau, von dem mittel- bis spätbronzezeitliche

Lesefunde bekannt sind. Das siedlungsfreundliche Plateau nutzte

die zu drei Seiten hin steil abfallenden Flanken als natürlichen

Schutz vor Angreifern. An der deutlich flacher auslaufenden Seite,

zum Moniberg hin, wurde ein künstlicher Wall aufgeschüttet.

AM H Ö G LBE RG

wurde bei der Anlage eines Bierkellers 1823 vom

späteren Landshuter Bürgermeister Carl Lorber ein spätbronze­

zeitliches Fundensemble entdeckt. Vor allem Keramik gehörte zu

den Funden. Für Aufsehen sorgten Sturzbecher, Nadeln, Messer,

Lanzenspitzen, Bronzegussformen und auch Gewichte. Eine bis

heute anhaltende Theorie besagt, dass die Objekte erosionsbe­

dingt ihren Weg von der Carossahöhe zum Högelberg unterhalb

gefunden haben. Doch der Höglberg, als dem Moniberg vorge­

lagerte Erhebung, ist von dem Plateau an der Carossahöhe durch

mehrere Absätze und Vorsprünge getrennt, sodass ein bloßes

Abrutschen nicht vorstellbar ist. Dennoch muss zu bedenken ge­

geben werden, dass die genauen Fundumstände von 1823 nicht

mehr zu rekonstruieren sind.

D IE BE R E IT S S E IT D E R J UN G S T E IN Z E IT

bekannten Siedlungslagen

waren auch in der Bronzezeit nach wie vor begehrt. Eine heraus­

ragende Fundstelle aus einem Essenbacher Neubaugebiet zeigt

Siedlungsspuren der späten Bronzezeit in der Nähe der Kirche

St. Wolfgang, in deren Sichtweite Gräber lagen. Die Grabbeigaben

aus einem dieser Gräber sprechen dafür, dass die dort Bestat­

teten zu den Eliten ihrer Zeit gehört haben mussten. Es handelt

sich um ein so genanntes Wagengrab. Der beziehungsweise die

Verstorbenen wurden auf einem bronzenen Zeremonialwagen

verbrannt, die verschmorten Einzelteile zusammen mit dem Lei­

chenbrand und weiteren Beigaben bestattet. Der hohe Rang der

Bestatteten wird auch durch einen goldenen Fingerring unter­

strichen. Solche elitären Gräber sind in den jeweiligen Gesell­

schaften zwar rar, traten aber zu dieser Zeit in ganz Mitteleuropa

gehäuft auf.

S E HR T Y PIS C H

für den Raum Landshut sind in der mittleren Bronze-

zeit (1600–1300 v. Chr.) und in der Hallstattzeit (850–450 v. Chr.)

die so genannten Hügelgräber. Die Toten wurden unter aufge­

schütteten Hügeln beigesetzt. Viele dieser Hügel haben sich auf

den Talflanken der Isar gut erhalten und sind heute noch im Ge­

lände sichtbar. Schwieriger ist es in heutzutage intensiv landwirt­

10 GESCHICHTE