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DER RAUM LANDSHUT VON DER PRÄHISTORISCHEN

BIS ZUR RÖMISCHEN ZEIT. EIN EXEMPLARISCHER

ÜBERBLICK ÜBER BEVORZUGTE TOPOGRAFIEN

DAMALS UND HEUTE

F

luch und Segen ist es, an der Isar zu leben. Zuletzt war es

das Pfingsthochwasser 2013, das auf dramatische Weise

zeigte, dass sich dieser Fluss trotz aller Versuche letztlich

nicht domestizieren lässt. Die grüne, wilde Isar war schon zu

prähistorischer Zeit unberechenbar und ist es auch heute.

E S WAR D IE IS AR ,

die den Menschen vor mehr als 7500 Jahren den

Weg in den heutigen Raum Landshut erschloss, die ihnen Handel

mit fernen Regionen ermöglichte und sie mit Innovationen und

Gütern versorgte. Doch im Gegensatz zu heute wollte damals

niemand im Tal leben, dort, wo sich die wilden Wassermassen

immer neue Wege suchten. Man lebte trockenen Fußes an den

sanften, sonnenbeschienenen Flanken und auf den Kuppen der

Steilhänge des asymmetrischen Flusstals. Man könnte es als prä­

historisches Rudiment deuten, dass die unbequemen Landshuter

Berglagen auch heute noch als begehrteste Wohnlage Landshuts

gelten.

BE S O ND E R S D IE M ÄC H T I G E N

Lössböden, die sukzessiv nach dem

Ende der letzten Eiszeit dort angeweht worden waren, machten

die Südhänge der Isarnordseite zwischen Altdorf und Unterwat­

tenbach attraktiv. Sie bilden die Grundlage für fruchtbare Böden

und überziehen auch das Hügelland auf der anderen Flussseite,

das jäh zum Isartal hin abbricht. Dort oben, zwischen Sallmanns­

berg und der heutigen Justizvollzugsanstalt in Berggrub, liegt

eine der ältesten bekannten Siedlungen auf Landshuter Stadtge­

biet. Das Dorf datiert in den Beginn der Jungsteinzeit (5500 bis

5000 v. Chr.), als die Menschen sesshaft wurden. Der Bentonitab­

bau löste dort zwischen 1979 und 1982 eine umfangreiche archäo-

logische Ausgrabung auf insgesamt 35000 Quadratmetern aus.

Hier wurde bayernweit erstmals ein vorgeschichtliches Siedlungs­

areal komplett untersucht. Seine Bewohner lebten damals in lang

gezogenen Bauernhäusern, eines davon war 35 Meter lang und

sieben Meter breit. Auch auf der anderen Seite des Isartals lebten

Bauern zu dieser Zeit, so in Altdorf, Essenbach und in Kopfham

(Gemeinde Ergolding).

D IE L ANDW IR T S C H AF T

stellte eine gewaltige Innovation dar. Dieser

alternative Lebensstil zum etablierten Jäger- und Sammlerdasein

verbreitete sich langsam, unter anderem über den Flussweg, in

das heutige Niederbayern – inklusive Saatgut wie Emmer und

Einkorn sowie den Haustieren Schwein, Rind, Schaf und Ziege.

Ob sich dieser sesshafte Lebensstil in Form von Ideen oder durch

Migranten aus dem Fruchtbaren Halbmond, also der heutigen

Türkei, Iran oder Syrien, verbreitete, wird lebhaft diskutiert.

IN D E N FO LG E ND E N JAHR HUND E R T E N

beziehungsweise Jahrtausen­

den – die Steinzeit endet etwa 2200 v. Chr. mit der Verbreitung von

RUHE AUF DEM BERG

Funde aus dem steinzeitlichen Altheimer Erdwerk.

Die bronzene Gürtelschnalle gehörte einer„Bruckbergerin“ der frühen Eisenzeit.

8 GESCHICHTE