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VORWORT

spricht in der Bildenden Kunst insbesondere die Zeichnung,

in diesem Fall der „Bairische Strich“, wie Gerd Holzheimer

seine Bildauswahl für dieses Heft überschreibt. Dass diesem

ironisch-satirischen Element, der denkbar knappsten Aus-

drucksweise ebenso wie der liebenswürdigsten „Zeichnung“

emotionaler Zu- und Umstände in der bayerischen Kunst-

landschaft seit dem 19. Jahrhundert gefrönt wurde und wird,

erscheint als Glücksfall: Von Franz Graf Pocci bis Ernst

Maria Lang, von Olaf Gulbransson bis Rosemarie Zacher,

von Franziska Bilek bis Dieter Hanitzsch reicht die Band-

breite, die das Bairische in diesem Heft kongenial illustriert,

in einer Art also, wie sie im Sprachlichen dem Dialekt vor-

behalten ist: präzise, bisweilen kühn in seiner Ehrlichkeit,

nicht unkompliziert – und immer eine Entdeckung wert.

Wobei hier spezifisch bayerisch dem Hinterkünftigen das

Bacchantische beigesellt wird, wie es vom Bacchanal eines

Lovis Corinth bis zu den legendären Plakaten eines Michael

Mathias Prechtl reicht.

Unseren Autorinnen und Autoren danken wir für die Viel-

falt an Einsichten und Kenntnissen zu einem kontrovers

diskutierten Thema. Den Institutionen und Privatpersonen,

die uns Bildmaterial zur Verfügung gestellt haben, gilt unser

Dank, besonders Siegfried Unterberger, der uns seine hoch-

rangige Sammlung der Münchner Kunst der Jahrhundert-

wende geöffnet hat. Die Gestaltung lag in den bewährten

Händen von Wolfgang Felber, München. Unseren Leserin-

nen und Lesern wünschen wir Freude an der Lektüre, die

ihnen Anregung und Aufforderung für die Beschäftigung

mit einem der schönsten Phänomene Bayerns sein mag.

Dr. Richard Loibl, Evamaria Brockhoff

und

Dr. Barbara Kink

Haus der Bayerischen Geschichte

breite Feld des Dialekts in der Musik kommt nicht zu kurz,

wie anhand der „Opern auf Bayerisch“ von Rudi S. Gall und

der Renaissance des Gstanzlsingens von Natascha Zödi-

Schmidt vorgeführt wird oder wie es der gerade in die Kinos

gekommeneDokumentarfilm„Bavaria Vista Club“ vonWal-

ter Steffen zeigt.

Dass die Diskussion um den Dialekt anderenorts – etwa

in der Schweiz, wie der Beitrag von Martin Hannes Graf

zeigt – weniger scharf geführt wird, hat verschiedene Ursa-

chen und ist, nicht zuletzt der touristischen Selbstvermark-

tung geschuldet, in der der bayerische Seppl mit stimm-

haftem S in seiner Einheitskrachledernen den Gästen einen

aufplattelt. Dass Auswüchse dieser Art seltener werden und

an ihre Stelle, insbesondere auch in der jungen Generation,

ein selbstbewusst und selbstbestimmt gebrauchter Dialekt

an Boden gewinnt, ist erfreulich. Welche Rolle die Schule

hier spielen kann, erläutern die Beiträge von Helmut Witt-

mann und Hermann Ruch. Letztlich ist das allenthalben zu

beobachtende Wechseln zwischen mehreren Sprechweisen

eben auch ein Ausweis menschlicher Anpassungsfähigkeit

an das jeweilige Gegenüber, eine (psycho)soziale Fähigkeit,

die zu erwerben und zu kultivieren eine Ars humana ist, die

in einer global gewordenen Welt notwendiger denn je ist.

Wie lebendig der Dialekt ist, stellt Schmeller-Nachfolger

Anthony Rowley dar, dem es naturgemäß schwergefallen

ist, den erbetenen Beitrag kontra den Dialekt zu verfassen,

sodass er uns stattdessen eine Sammlung gängiger (Vor-)

Urteile geliefert hat, die man auch als Illustration zu Wer-

ner Königs Beitrag über die „diskriminierte Muttersprache“

lesen kann. Christoph Landolt geht dem schweizerdeut-

schen Dialektgebrauch in den Neuen Medien nach und Cor-

nelia Dobkowitz untersucht die Rolle des Dialekts im neuen

(Heimat-)Film.

Der Präzision, mit welcher der Dialekt in der Lage ist, die

Dinge auszudrücken, ja sie aufs Äußerste zuzuspitzen, ent-