Magazin : EDITION BAYERN 11 - page 8

SCHNAI TTACHTAL
ImWinkel
zwischen der Fränkischen und
der Hersbrucker Schweiz liegt, wenig
beachtet, das Schnaittachtal. Die Schnait-
tach hat keine Quelle. Sie ergibt sich aus
dem Zusammenfluss des Ittlinger Bachs
mit dem Naiferbach. Einer der ersten Hügel,
die sie passiert, ist der Bühler Berg mit
seiner Barockkirche„Mariä Heimsuchung“.
Sie ist idealer Ausgangspunkt, um das
Hochplateau Richtung St. Helena entlang-
zuspazieren – zur Zeit der Kirschblüte ein
berauschendes Erlebnis. Wer sich quer
zum Strom der PS-Fernreisenden bewegen
möchte, der wandert von Simmelsdorf die
A 9 zweimal unterquerend nach Osternohe
und hinauf zum Schlossberg, wo eine Ruine
und direkt daneben einer der drei schöns-
ten Aussichtspunkte des Tals zu erreichen
sind. Der Schlossberg bietet mit seiner
1000-Meter-Piste die längste lifterschlossene
Skiabfahrt Mittelfrankens (
.
de/skilift/). Im Sommer treffen sich hier die
Mountainbike-Downhill-Spezialisten (www.
bikepark-osternohe.de). Das Zentrum des
Tals bildet die vom gleichnamigen Bächlein
durchflossene Marktgemeinde Schnaittach.
Hoch über ihr thront die Veste Rothenberg:
Barock­festung, Staatsgefängnis – heute
sorgfältig restaurierte Ruine, die schon der
Aussicht wegen einen Besuch wert ist. Ein
weiterer Aussichtspunkt im Schnaittachtal
befindet sich im Gebiet der Gemeinde
Neunkirchen am Sand: der„Glatzenstein“
unweit des Ortsteils Weißenbach. Die
Felsgruppe lässt sich kletternd erklimmen
oder aber bequem über einen Wanderweg
erreichen. Der Fernblick ist in jedem Fall
erhebend.
Abendstimmung im Schnaittachtal
MORD IN DER MÜHLE
Die Obermühle
in Kirchensittenbach hat
Literaturgeschichte geschrieben, genauer
gesagt ein dort verübter Mord. John
Knittel nahm ihn zur Vorlage für seinen
Roman„Via Mala“ (1934), der mehrfach
verfilmt wurde, unter anderem 1961 mit
Gert Fröbe in der Regie von Paul May. Der
Schweizer Schriftsteller war zwar niemals
im Sittenbachtal, aber er kannte offen-
sichtlich Anselm von Feuerbachs Buch
„Aktenmäßige Darstellung merkwürdiger
Verbrechen“ (1828/29). Feuerbach, ein
bedeutender Rechtsgelehrter, Begründer
des Bayerischen Strafrechts von 1813,
Vormund von Kaspar Hauser und Vater
des Philosophen Ludwig Feuerbach, hatte
in seine Sammlung auch einen Aufsehen
erregenden Mord in der Kirchensittenba-
cher Obermühle aufgenommen. Der dort
ansässige Müller war offenbar so grausam,
dass seine Familie sich nicht anders zu
helfen wusste, als ihn eigenhändig zu
erschlagen. Der Vatermord, geschehen im
August 1817, wurde vor dem Amtsgericht
Hersbruck verhandelt und gelangte so
als bemerkenswerter Fall von Selbstjustiz
zur Kenntnis des in Ansbach und später
in Frankfurt am Main lebenden Juristen
Feuerbach. In seinem Roman verlegte
John Knittel das Geschehen in die Via-
Mala-Schlucht im schweizerischen Kanton
Graubünden. Die Obermühle fungiert
heute nicht mehr als Mühle, das Gebäude
aber steht da wie vor 200 Jahren.
Henfenfeld im Hammerbachtal
HAMMERBACHTAL
Zwei Täler,
die unterschiedlicher kaum sein
könnten, laden im Süden der Hersbrucker
Schweiz zu Entdeckungen ein. Im Ham-
merbachtal begegnet man kirchlichen und
weltlichen Kulturschätzen, das Molsberger
Tal bietet Natur pur. Der Hammerbach
mündet bei Henfenfeld in die Pegnitz – er
bringt Wasser aus einem lang gestreckten
Tal, das in einem Kessel bei Kucha beginnt.
Da kommt, gerade bei der Schneeschmel-
ze oder nach ausgiebigen Regenfällen,
einiges zusammen. Kein Wunder, dass sich
hier Mühlen angesiedelt haben. Ausflügler
können auf den Spuren des„Mühlenwegs
im Hammerbachtal“ wandeln.
Das Wahrzeichen von Henfenfeld
ist, neben dem spitzen Kirchturm, das
stattliche Pfinzingschloss. Es ging schon
durch viele Hände, war eine Zeit lang
Eisenbahnerschule, wurde dann reprä-
sentativer Unternehmersitz und danach
Opernakademie. Engelthal ist Sitz einer
Bezirksklinik, früher Lungenheilanstalt. Für
Geschichtsinteressierte sind in der Orts-
mitte die Reste eines einst bedeutenden
Klosters zu sehen.
Beim„Kruppacher Tor“ teilen sich die
Wege: Rechts geht es im Hammerbachtal
weiter nach Offenhausen, links nach
Deckersberg, bekannt durch den riesigen
Hochbehälter des Happurger Pumpspei-
cherwerks. Mächtige unterirdische Röhren
und eine steile, kurvige Straße führen
hinunter nach Happurg zum Stausee.
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NATUR ERLEBEN
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