Magazin : EDITION BAYERN Sonderheft # 06 - page 52

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RADIKALE AUFKLÄRER UND REFORMER
I
n der Reichsstadt Nürnberg wurde amEnde des 18. Jahr-
hunderts eines der revolutionärsten Bücher geschrie-
ben, das die philosophische Literatur in Deutschland
zu jener Zeit aufzuweisen hatte: „Ueber das Recht des
Volks zu einer Revolution“, erschienen 1795 bei Christian
Ernst Gabler in Leipzig und Jena. Das Volk, so die Grund-
these, lebt im Zustand der Unmündigkeit, doch hat es wie
jeder Einzelne das Recht und die Pflicht, nach der Mün-
digkeit, der „Majorennität“, zu streben. Das einzige „Mittel
zur Freiheit“ ist die „Aufklärung“, durch die das Volk zur
Kenntnis seiner unveräußerlichen Rechte gelangt. Sie muss
schließlich zur „Abwesenheit eines für rechtlich erkannten
Unterschieds unter den Vornehmen und demVolk“ führen
und ermöglicht die „Selbsttätigkeit“ der „freien Bürger …
bei der Gesetzgebung“. Das Recht auf Aufklärung ist nach
Erhard das grundlegende und unveräußerliche Menschen-
recht schlechthin, das vom Staat niemals behindert werden
dürfe. Die Verletzung dieses Menschenrechts, der Versuch,
das „Volk“ auf Dauer in der Unmündigkeit zu halten und
ihm die Mittel vorzuenthalten, diese zu überwinden, gibt
nach Erhard dem „Volk“ das Recht zur gewaltsamen Revo-
lution.
Der Verfasser dieser Schrift, Johann Benjamin Erhard,
wurde als Sohn eines Drahtziehers 1766 in Nürnberg gebo-
Der Graveur, Kupfer-
stecher und Maler Fried-
rich Fleischmann (1791
bis 1834) schuf das Por-
trät, das Johann Benja-
min Erhard, „Doctor der
Medicin“, im Profil nach
links zeigt.
Die Menschenrechte sind ursprüngliche Quelle aller andern.
Johann Benjamin Erhard (1766–1827) – Das Recht des Volks zu einer Revolution
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