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Mit Bürgerentscheiden

haben die Coburger Erfahrung, wie sie

sich überhaupt lustvoll streiten. Der Umbau des Theaterplatzes

zur zentralen innerstädtischen Bushaltestelle gelang erst nach

einem Bürgerentscheid und beinahe wäre wegen der Sanierung

der so genannten Ketschenvorstadt der nächste fällig gewesen.

Die Konfliktlinien laufen oft scharf an Parteigrenzen entlang,

wobei es manchmal genügt, dass der Gegner für etwas ist, um

dagegen zu sein. Bislang hat sich niemand gefunden, der diese

Klüfte auf Dauer hätte überbrücken können. Denn leicht ist der

Coburger als solcher nicht zufrieden: Änderungen des Altherge-

brachten stoßen grundsätzlich auf Widerstand und überhaupt

gibt es an der Stadt einiges auszusetzen. Für Coburger. Es fehlt

ein vernünftiges Lebensmittelgeschäft neben den Discountern

in der Innenstadt, es gibt kein Fachgeschäft für Haushaltswaren

mehr, die Stellplätze in den Parkhäusern mögen zwar reichen,

aber befinden sich an der falschen Stelle, der Rosengarten ist

nicht mehr das, was er einmal war … Aber wehe, ein Besucher

aus dem Umland wagt es, sich kritisch über Coburg zu äußern!

Auf dem Wochenmarkt herrscht

e ine südländi sch he i ter-entspannte

Atmosphäre. selbst prinz albert

auf se inem sockel sche int zu lächeln.

Das mag der Residenzler gar nicht leiden. Dann halten die Cobur-

ger zusammen. Denn es gibt keine schönere Stadt als Coburg,

keine stolzere Burg als die Veste und kein älteres Wasserklosett

auf dem Kontinent als das in der Ehrenburg. Und nirgends besse-

re Bratwürste.

Was oder wie

ist er also, der Residenzler? Ein verbockter Pro-

vinzmuffel? Mitnichten: Der Coburger macht es einem nur

nicht leicht. Sich selbst nicht und anderen erst recht nicht. Der

Coburger liebt seine Stadt, will’s ihr aber nicht so sehr zeigen,

damit sie nicht größenwahnsinnig wird. Der Coburger genießt es,

ganz bei sich zu sein, zum Beispiel am Samstagvormittag auf dem

Wochenmarkt, wo die ganze Stadt auf den Beinen zu sein scheint,

zum Sehen und Gesehenwerden, zum Tratschen und Ratschen.

Dann herrscht in der Stadt eine fast südländisch heiter-entspann-

te Atmosphäre und selbst Prinz Albert auf seinem Sockel scheint

zu lächeln.

Simone Bastian

Coburger Markt vor dem Rathaus

Schutzpatron der Stadt: der hl. Mauritius mit einemMarschallstab

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geschichte