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ie anfänglichen Schwierigkeiten des Markgrafen bei der

Etablierung seiner Herrschaft nutzte die bürgerliche

Oberschicht zur Einsetzung einer Ratsverfassung mit

Bürgermeister. Symbolisch zeigte man dies schon 1354 durch die

Prägung des Mauritiuskopfes auf dem Coburger Pfennig. Damit

begann die Karriere des„Coburger Mohren“ als bürgerliches

Stadtwappen, der dies – mit Ausnahme in der Zeit des National-

sozialismus – bis heute ziert.

Die patrizischen Familien, die als Münzmeister (seit 1265) und

durch den Handel mit Tuch, Bier und anderem zu Wohlstand und

Adel gekommen waren, verwalteten die Stadt im 14. und

15. Jahrhundert. Obwohl die Exporthandwerke wie das der

Tuchmacher von den Markgrafen gefördert wurden, bekamen die

Zünfte erst nach langem Streit 1491 das Recht auf sechs Vertreter

im nunmehr zwölfköpfigen Magistrat.

Zeitgleich zu diesem politischen Prozess etablierte sich die seit

1433 erkennbare bürgerliche Schützengesellschaft. Die Schüt-

zenmeister waren häufig Stadträte, Bürgermeister, Zunftvertreter

oder herzogliche Bedienstete. Sie, die reicheren Bürgerfamilien,

lebten bis ins 19. Jahrhundert im alten Mauerring und in der

Steinweg-Neustadt. Die„Spießbürger“, die mangels Geld keine

Feuerbüchse, sondern nur Spieß und Helm zur kommunalen

Stadtverteidigung beitragen konnten, wohnten in den Vorstäd-

ten am Juden-, Ketschen- und Steintor. Entlang des heute unter

dem Lohgraben und an der Walkmühlgasse verrohrten Hahn-

flusses reihten sich die Gerber-, Weber- und Tuchmacherhäuser,

deren Inhaber bis in das 19. Jahrhundert ihre Waren für den über-

regionalen Markt mithilfe der reinigenden und energetischen

Kraft des Wassers produzierten.

Umwälzungen im Zuge der Reformation

Die Einführung der Lehre Luthers durch Balthasar Düring 1524

und deren Absegnung durch Kurfürst Friedrich III. bewirkten die

Schließung des Franziskanerklosters und die Verabschiedung der

vielen Messpriester. Während des Augsburger Reichstags 1530

verfolgte Luther von der sicheren Burg aus die Verhandlungen

und beeinflusste sie mit vielen Briefen und Druckschriften.

Die folgenden Querelen der protestantischen Reichsstände mit

dem Kaiser und der katholischen Kirche veranlassten Sachsen

1531 zum Ausbau der Burg zur Landesfestung. Kurfürst Johann

Friedrich I. engagierte sich als Führer des protestantischen

„Schmalkaldischen Bundes“ und verlor mit der Niederlage im

gleichnamigen Krieg 1547 neben der Kurwürde weite Teile seines

Territoriums und seine Freiheit. Nach fünfjähriger Kriegsgefan-

genschaft kehrte der nunmehrige Herzog von Sachsen zurück

nach Coburg, wo sein Bruder Johann Ernst inzwischen anstelle

des Franziskanerklosters die Ehrenburg als Renaissancestadt-

schloss erbaut hatte.

Der Markt in Coburg um 1770

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geschichte