Seite 97 - EDITION Bayern : Industriekultur in Bayern

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ANGEWANDTE WISSENSCHAFT
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cher hochwertige feinmechanische Instrumente fast ausschließ-
lich in Einzelanfertigung herstellt“. Anhand von Umsatz- und
Beschäftigtenzahlen, die sich ab 1939 kaum veränderten, ist
erkennbar, dass die zum Teil für die Wehrmacht gefertigte Pro-
duktion auch nach Kriegsbeginn im bisherigen Umfang fortge-
setzt wurde.
Nach dem Tod von Max Edelmann 1940 übernahmen seine
ein Jahr zuvor in die Firma eingetretenen Söhne Wilhelm und
Leonhard die Firma, die sie in der dritten Generation trotz zeit-
weise schwieriger Umstände auf Erfolgskurs halten konnten.
Das Stammhaus wurde bei den Bombenangriffen auf München
am 17. Dezember 1944 und am 7. Januar 1945 total zerstört.
Seither arbeitete man behelfsmäßig mit acht Mitarbeitern in
der Ausweichstelle Schaftlach. Dort überstand der Betrieb das
Kriegsende unbeschadet und konnte nach erstaunlich kurzer
Zeit die Produktion wieder aufnehmen. Für die Erlangung der
dafür notwendigen Lizenz, die am 22. Mai 1945 durch die ame-
rikanische Militärregierung erteilt wurde, hatte man vor allem
die medizintechnische Sparte der Firma betont und ihre Bedeu-
tung für das Gesundheitswesen herausgestellt.
Bis Ende der 1940er-Jahre arbeitete die Firma Edelmann mit
acht bis zehn Mitarbeitern weiterhin in ihrem Ausweichquar-
tier, während in München der Wiederaufbau des zerstörten Fir-
mengebäudes begann. 1950 kehrte der Betrieb in die Nymphen-
burgerstraße zurück. Bereits nach fünf Jahren konnte man an
die Umsätze der Vorkriegszeit anschließen, die in rascher Folge
auf das Dreifache stiegen. Der Bedarf an Instandsetzung und
Weiterentwicklung von Geräten in Forschung und Praxis war
enorm – Edelmann konnte am Wirtschaftswunder teilnehmen
und auch der Export kam wieder in Gang. Schwerpunkte waren
dabei Erzeugnisse in der Rundfunktechnik, Auswertgeräte und
Messeinrichtungen für das Post- und Fernmeldewesen sowie
chemotechnische Apparaturen. Der erste Großauftrag betraf
1951/52 Bau und Lieferung der Antennensteuerungen für den
Sender „Radio Free Europe“ in Holzkirchen. Daraus entwickelte
sich eine Verbindung zu den deutschen Rundfunkanstalten:
Bald standen in jedem Tonstudio Tonbandlängenmessgeräte
von Edelmann. Der hier entwickelte und in Serien gebaute Fre-
quenzbandschreiber zur Überwachung der UKW-Sender vom
Nordkap bis Südafrika war konkurrenzlos.
Bald klopfte auch die Medizin wieder an, Edelmann entwickelte
und baute für die Krebsforschung Färbegeräte nach Papanico-
laou, Dosierpumpen, Fraktionsteiler, Extinktionsschreiber und
ebnete damit den Weg zur Früherkennung und zu groß ange-
legten Vorsorgeuntersuchungen, wie sie heute selbstverständlich
sind.
Die insbesondere in Forschung und Lehre für ihre Kompetenz
und ihre Qualitätsstandards bekannte Firma Edelmann wurde
häufig mit Aufgabenstellungen betraut, die große wirtschaftliche
Chancen bargen. Diese allerdings auch zu ergreifen, ist nicht
gelungen. Waren der Gründer und sein Sohn noch als Pioniere
der Elektrotechnik erfolgreich gewesen, so konnten die Nachfol-
ger letztlich mit dem anderen Gesetzen gehorchenden Technik-
fortschritt seit den frühen 1970er-Jahren nicht mehr mithalten.
Max (III.) Edelmann, der Sohn von Wilhelm Edelmann, der von
1959 bis 1982 die Firma allein geführt hatte, gab das Unterneh-
men aus wirtschaftlichen Gründen auf und beendete so im Jahr
1984 die Familientradition in der vierten Generation.
Mitarbeiter der Firma Edelmann im Ausweichbetrieb in Schaftlach
Werbeanzeige aus dem Jahr 1947
Die Anzeige wirbt für den seinerzeit von der Firma Edelmann entwi-
ckelten „Zytochromat“, der in den Anfängen der gynäkologischen
Krebsdiagnostik eingesetzt wurde.