Seite 94 - EDITION Bayern : Industriekultur in Bayern

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ANGEWANDTE WISSENSCHAFT
trischen Kraftzentralen auf deutschem
Gebiet schuf. Die Generatoren wur-
den über ein Lokomobile, eine fahrbare
Dampfmaschine, angetrieben. Von Max
Th. Edelmann stammt auch eine in der
Grotte installierte Anlage zur Simulie-
rung eines Regenbogens. Nach Abschluss
der Arbeiten in Linderhof widmete sich
Edelmann wieder seinem Betrieb und
der Tätigkeit als Privatdozent. 1896 hol-
te man ihn nochmals für einen Auftrag
des Königshauses: die Ausstattung des
Schlosses Fürstenried mit elektrischer
Beleuchtung.
EDELMANN’SCHE PRODUKTE
Der Hochschulbetrieb gab Edelmann
laufend Anregung zur Herstellung von
Hilfsmitteln und Instrumenten, die das
Produktangebot der Firma vergrößerten.
Für jeden denkbaren Zweck wurden
Vorrichtungen und Apparate gefertigt,
vom Arbeitsstativ bis zum kompletten
Kabelmesswagen für die Ausrüstung von
Elektrizitätswerken. Die Palette umfasste
auch – vorwiegend als Lehrmittel genutz-
te – Projektionsinstrumente sowie foto-
grafische Apparate zum Registrieren
elektrischer Erscheinungen und Mess-
geräte aller Art.
1882 präsentierte die Firma auf der
großen Internationalen Elektrizitätsaus-
stellung in München eine Reihe wissen-
schaftlicher Instrumente. Als Mitglied
im Polytechnischen Verein war Max Th.
Edelmann 1889 als Direktor der elektro-
technischen Versuchsstation – eine Art
Vorläuferin des TÜV – zuständig für
die Begutachtung und Zulassung von
Maschinen und Produkten der Elektro-
technik und für die Zertifizierung ein-
schlägiger Firmen.
Besonderes Interesse zeigte Max Th.
Edelmann für Anwendungen in der
Medizin, wozu ihm sein Kollege an der
Technischen Hochschule, der Mediziner
Friedrich Bezold, eine Kapazität in der
Ohrenheilkunde, Anregung gab. Bezold
hatte entdeckt, dass gehörlose Menschen
oft „Gehörreste“ besaßen, die aber sehr
schwierig nachzuweisen waren. Edel-
mann lieferte hierzu hoch präzise Stimm-
gabeln und entwickelte eine verstellbare
Galtonpfeife zur Erzeugung sehr hoher
Schwingungszahlen. Ein weiteres The-
menfeld war die Nutzung der Elektrizität
in der Medizin. Die bei Edelmann in gro-
ßer Vielfalt hergestellten Galvanometer,
Messgeräte für kleinste Spannungsunter-
schiede, eigneten sich dafür ebenso wie
elektromagnetische Apparate, die in der
Augenheilkunde verwendet wurden.
Max Th. Edelmann befasste sich auch
eingehend mit Forschungen zum Erd-
magnetismus und konstruierte auf Anre-
gung seiner Lehrer Johann von Lamont,
Wilhelm von Beetz und des Meteorolo-
gen Heinrich Wild neuartige Messinstru-
mente. In dieser Disziplin erwarb Edel-
mann 1881 den Doktorgrad mit einer
Arbeit über die Bestimmung der magne-
tischen Inklination. Aus der Zusam-
menarbeit mit Heinrich Wild, damals
Direktor des Kaiserlich Russischen Zent-
ralobservatoriums und Präsident der in-
ternationalen Polar-Kommission, ergab
sich, dass entsprechende Apparate aus
dem Hause Edelmann schließlich in den
meisten der weltweit existierenden geo-
magnetischen
Beobachtungsstationen
eingesetzt wurden.
EIN FÖRDERER DES DEUTSCHEN
MUSEUMS
Max Th. Edelmann war mit seinem
großen Fachwissen und den exzellenten
Erzeugnissen seiner Firma ein begehrter
Experte beim Aufbau des von Oskar von
Miller initiierten Deutschen Museums.
Die beiden waren miteinander bekannt,
Edelmanns Werkstätte, die 1887 in eine
eigene Fabrik an der Nymphenburger
Straße umzog, lag nur unweit von Mil-
lers Wohnung bei der Bennokirche. Und
Edelmanns Vater Leonhard (gest. 1875)
war ab 1868 Millers Zeichenlehrer am
In Familienbesitz hat sich dieser von König
Ludwig II. gern als Geschenk vergebene
Ring erhalten. Die Gabe könnte in Zusam-
menhang mit der Arbeit Edelmanns an
den Wellenmaschinen im Wintergarten der
Residenz oder in Linderhof stehen.
Messgeräte waren Edelmanns Spezialität. Die
Münchner Städtischen Elektrizitätswerke be-
dienten sich eines mobilen Messfahrzeugs
aus der Edelmann’schen Produktion.
Die Firma Edelmann fertigte auch die von dem britischen Naturforscher Francis Galton erfun-
dene gleichnamige Pfeife zur Erzeugung hochfrequenter Töne. Die Galtonpfeife fand in der
Ohrenheilkunde Verwendung.