Seite 92 - EDITION Bayern : Industriekultur in Bayern

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ie Unternehmerpersönlichkeiten der Gründerzeit des
19. und frühen 20. Jahrhunderts waren zumeist „Uni-
versalisten“. Weder die Fachgebiete noch die Trennlinie
zwischen Theorie und Praxis waren so scharf ausgeprägt
wie in unserer Zeit, in der das gerade Gegenteil vonnöten ist:
die größtmögliche Spezialisierung. Max Th. Edelmann war
einer dieser vielseitigen Unternehmer, ein Wissenschaftler und
Maschinenkonstrukteur, der ebenso in der Lage war, für König
Ludwig II. eine fantasievolle Wellenmaschine zu konstruieren
wie eine weltweit eingesetzte geomagnetische Beobachtungs-
station zu fertigen.
Die Münchner Werkstätte Edelmann entwickelte sich aus
kleinsten Anfängen zu einem hoch spezialisierten Betrieb, des-
sen Erzeugnisse in alle Welt gingen. Ihre Entstehung im Jahr
1868 – andere Quellen nennen das Jahr 1863 – erfolgte neben der
wissenschaftlichen Arbeit ihres Gründers Max Th. Edelmann,
dessen Intention es war, Naturerscheinungen unterschiedlichs-
ter Art zu erforschen und daraus gewonnene Erkenntnisse für
die Mechanik und Elektrotechnik nutzbar zu machen.
Max Thomas Edelmann wurde 1845 in Ingolstadt als Sohn eines
Zeichenlehrers geboren. Seine Ausbildung war praxisbezogen
mit dem Besuch der Gewerbeschule, dem das Studium an der
Polytechnischen Hochschule in Augsburg und der Universität
München folgten. 1868 wurde er an der neu gegründeten Tech-
nischen Hochschule München Assistent am Physikalischen
Laboratorium bei Professor Wilhelm von Beetz, der Experimen-
talphysik lehrte.
Max Th. Edelmann, seit 1873 Privatdozent, seit 1893 Professor,
hielt Vorlesungen übermagnetische und galvanischeMessungen,
Meteorologie und Astronomie sowie verschiedene Bereiche der
Physik. Forschung und Lehre erfüllten ihn jedoch nicht, ihm
war auch ihre Nutzanwendung ein Anliegen. So tüftelte er zahl-
reiche Vorrichtungen und Geräte aus, die für das Physikalische
Kabinett zu gebrauchen waren. Der zunehmenden Nachfrage
folgend, gründete er sein „Physikalisch-Mechanisches Insti-
tut zur Herstellung physikalischer Präzisionsapparate“, das im
Gewerbemelderegister der Stadt München 1870 erstmalig mit
drei Mitarbeitern verzeichnet ist.
Signierschablone, um 1870
Physikalisch-Mechanisches Institut
Max Th. Edelmann, München –
angewandteWissenschaft
Florian Köhler · Max Edelmann