Seite 82 - EDITION Bayern : Industriekultur in Bayern

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INDUSTRIEPIONIERE IN BAYERN
Lorenz Hauser – der Millionenbauer
geb. 1869 in Neuhausen bei München, gest. 1918 in Allach
Der Zuzug aus den ländlichen Regionen Bayerns in die Städte
ließ die Bodenpreise steigen – eine gute Zeit für Boden- und
Bauspekulanten. Nutznießer waren Menschen wie der „Millio-
nenbauer“ Lorenz Hauser. Der gelernte Metzger und Hoferbe
des Strohmeier-Hofs in Neuhausen bei München konnte auf-
grund des einsetzenden Baubooms und der Eingemeindung
Neuhausens 1890 seine Äcker und Wiesen als teuren Münch-
ner Baugrund verkaufen. Lorenz Hauser, ein glühender Vereh-
rer König Ludwigs II., stellte seinen neuen Reichtum gerne zur
Schau: Er ließ in Allach bei München ab 1899 eine imposante
Schlossanlage im Stil des Historismus erbauen. In diesem von
der Bevölkerung als „Neuschwanstein im Dachauer Moos“
bezeichneten Schloss feierte Hauser ausschweifende Feste. Der
Lebemann hatte rasch den Ruf des großmannssüchtigen Ver-
schwenders, der Frauen, Alkohol und edle Pferde liebte. Mögli-
cherweise diente Hauser als Vorbild für die Fernsehserie „Der
Millionenbauer“ mit Walter Sedlmayr in der Rolle des Bauern
Josef Hartinger aus einem Dorf im Münchner Osten. Die
Geschichte spielt in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, als
die neu entstehenden Trabantenstädte im Umkreis von Mün-
chen eine weitere Welle von Bodenspekulation hervorriefen.
Fotografie eines Gemäldes von Georg Roessler, 1898, das den „Millionenbauer“
vor seinem Anwesen in Neuhausen zeigt.
Der Millionenbauer Lorenz Hauser
Der Millionenbauer
Mei Vatta war a Stadtrand-Bauer,
drum bin i heid da Allerschlauer.
Sitz bei de Spezln und schbui Kartn
und brauch nix doa sonst ois wia wartn.
Brauch koane Küah mehr, koane Kälber,
da Diridari wachst von selber,
seitdem auf meine sauern Wiesn
die Hausstöck ausm Boden sprießn.
Wenn i aa nix vaschenga ko,
so bin i doch a brava Mo:
Bin Helfer gega d´Wohnungsnot
und schaff dem Bauarbeiter Brot.
Und trotzdem, i gib´s offen zua,
find i auf d´Nacht oft gar koa Ruah.
Da draam i oiwei von de Rodn
und bibber ummein Grund und Bodn.
(Franz Freisleder, Gebrauchsanweisung für die letzten Bayern,
Rosenheim 1998, S. 58)
Die von Barbara Kink verfassten Porträts fußen auf Recherchen von Florian Becker, Rudolf Himpsl, Bernhard Kleber, Julia Morcinczyk, Nadine Schadt,
Nicole Steng und Julian Traut, die im Rahmen des Seminars „Industrialisierung in Bayern“ (Dr. Barbara Kink, Dr. Richard Loibl) am Institut für Bayerische
Geschichte an der LMU München im Sommersemester 2010 erarbeitet wurden.