Seite 81 - EDITION Bayern : Industriekultur in Bayern

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INDUSTRIEPIONIERE IN BAYERN
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Rudolf Diesel
geb. am 18. März 1858 in Paris, gest. am 29. September 1913 im Ärmelkanal
Der Sohn eines nach Paris ausgewanderten Buchbinders kehrte wegen des Deutsch-
Französischen Kriegs 1870 in die Heimatstadt seines Vaters, Augsburg, zurück. Nach
dem Besuch der Augsburger Gewerbeschule und der Münchner Technischen Hoch-
schule, wo Rudolf Diesel auch die Vorle-
sungen seines späteren Arbeitgebers Carl
von Linde besuchte, wandte er sich ver-
stärkt der Suche nach einer rationellen
Wärmekraftmaschine zu. Dampfmaschi-
nen – Symbole der Industrialisierung und
deren Schlüsselerfindung schlechthin –
trieben in den Fabriken die Werkzeug- und
Arbeitsmaschinen an, doch seit dem letz-
ten Viertel des 19. Jahrhunderts wurde ver-
stärkt nach einem idealen Brennstoff und
einer verbesserten Wirkungsweise gesucht.
Nach seiner langjährigen Tätigkeit für die
Linde AG forschte Diesel ab 1893 im Auf-
trag der Maschinenfabrik Augsburg an
einer optimalen Lösung. Er entwickelte den
einzylindrigen Viertaktmotor, mit dem die
Industrialisierung in eine neue Phase ein-
trat. 1897 konnte der erste serienreife Die-
selmotor mit Selbstzündung der stau-
nenden Fachwelt vorgestellt werden.
Anton Schlüter
geb. am 13. Juni 1867 in Brilon, gest. am 2. März 1949 in München
Die Gesellenwanderung führte den Mechaniker Anton Schlüter vom Sauerland nach Freising. Im
ländlich geprägten Bayern erkannte Schlüter, der hier auch seine Frau kennen gelernt hatte, das
Geschäftspotenzial der Landmaschinentechnik, zumal aufgrund der Landflucht Ende des 19. Jahr-
hunderts in Bayern ein großer Mangel an ländlichen Arbeitskräften herrschte. 1898 gründete Schlü-
ter eine Motorenfabrik in München, 1910 eine Gießerei in Freising. Auf seinem landwirtschaftlichen
Versuchsgut, das bis heute als universitäre Forschungsstätte im Landkreis Freising genutzt wird,
testete er die neu entwickelten Produkte. Sein Hauptaugenmerk galt den Kraftmaschinen und dem
allgemeinen Motoreneinsatz im Landbau. Anfang des 20. Jahrhunderts konstruierte er die ersten
hauseigenen Kraftmaschinen, die rasch Erfolg hatten. So wurden mit ihnen Dreschwerke und Häck-
selmaschinen über Transmissionsriemen betrieben. Schlüter, der sich zuvor vor allem Reparaturen
gewidmet hatte, konnte nicht nur auf diesen Erfahrungsschatz zurückgreifen, sondern auch auf sei-
ne Kenntnisse über den Bau von Dieselmotoren, mit denen er sich beschäftigte. 1937 begann Schlü-
ter in München mit der Produktion von Traktoren. Aufgrund der kriegsbedingten Zerstörungen ver-
lagerte er die Produktion dann nach Freising. Bis in die 1990er-Jahre – das Unternehmen schloss 1993
seine Pforten – verbindet sich mit dem Namen Schlüter ein bedeutendes Stück bayerischer Agrar-
technik.
Rudolf Diesel ließ sich 1912 in dem legendären
Münchner Atelier Elvira, vielleicht in der Filiale
Augsburg, ablichten.
Anton Schlüter, Fotografie
Der Diesel-Versuchsmotor von 1893/95
erbrachte den ersten Nachweis einer
effektiven Leistung.
Die Fotografie vom 25. 10. 1938 aus dem Kali & Salz-Archiv
zeigt einen Düngungsversuch mit Raps, im Hintergrund die
Türme der Schlüter’schen Fabrik in Freising.