Seite 80 - EDITION Bayern : Industriekultur in Bayern

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INDUSTRIEPIONIERE IN BAYERN
Oskar von Miller
geb. am 7. Mai 1855, gest. am 9. April 1934 in München
Der Sohn des Erzgießers Ferdinand vonMiller studierte Bauwesen an der Technischen
Hochschule München. Oskar von Miller gilt als der Pionier der Wasserkraft. Der junge
Ingenieur war davon überzeugt, dass die gefällereichen bayerischen Gebirgsflüsse
ein unerschöpfliches Energiereservoir und einen großen wirtschaftlichen Standort-
vorteil des ansonsten eher rohstoffarmen Bayern darstellten. Nach dem Besuch der
ersten Elektrizitätsausstellung in Paris 1881 organisierte Miller bereits im Jahr darauf
eine ähnliche Schau für München. Die im Glaspalast stattfindende Elektrizitätsaus-
stellung wurde zur Sensation. Der Höhepunkt der Veranstaltung war die Stromüber-
tragung über eine längere Strecke – ein kühnes Vorhaben, das bis dahin noch nie
gelungen war. Gemeinsam mit dem französischen Techniker Marcel Depréz leitete
Miller den in Miesbach erzeugten Strom über eine Entfernung von 57 Kilometern
nach München und setzte damit imGlaspalast einen künstlichenWasserfall in Gang.
Oskar von Miller trieb die Elektrifizierung Bayerns mit der Errichtung von Elektrizitäts-
werken voran, wobei das Walchenseekraftwerk bei Kochel, das auch heute noch zu
den größten deutschen Speicherkraftwerken zählt, eine herausragende Leistungwar.
Als einer der Initiatoren des Deutschen Museums auf der Münchner Praterinsel schuf
Oskar vonMiller einMuseumder Technikgeschichte vonWeltrang, das bis heute jähr-
lich Hunderttausende Besucher anzieht.
Eine der ersten Farbfotografien zeigt Oskar von Miller
im Jahr 1930.
Der mit Strom aus Miesbach betriebene künstliche Wasserfall bei der Elektrizitätsausstellung 1882
im Münchner Glaspalast (Lithografie aus: La Lumière Electrique 5, 1883)