Seite 78 - EDITION Bayern : Industriekultur in Bayern

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INDUSTRIEPIONIERE IN BAYERN
Sigmund Schuckert
geb. am 18. Oktober 1846 in Nürnberg, gest.
am 17. September 1895 in Wiesbaden
Der Nürnberger Büttnersohn und Autodidakt
Sigmund Schuckert verbrachte nach einer Fein-
mechanikerlehre einige Jahre in Amerika und
sammelte dort unter anderem Erfahrungen in
der Telegrafenfabrik von Thomas Alva Edison.
Das Interesse des begabten Tüftlers lag auf dem
Gebiet der jungen Starkstromtechnik. 1874 er-
regte Schuckert in der Fachwelt Aufsehen durch
die Konstruktion einer sehr leistungsstarken
Dynamomaschine. Mit den innovativen Bogen-
lampen der Firma Schuckert installierte man
1882 in Nürnberg die erste elektrische Straßen-
beleuchtung im Deutschen Reich. Dynamos,
Generatoren, Strom- und Spannungsmesser,
Lampen, Scheinwerfer, elektrische Straßenbah-
nen bis hin zu kompletten Elektrizitätswerken
– die Produkte des prosperierenden Unterneh-
mens aus Nürnberg genossen Weltgeltung.
Schuckert musste sich krankheitsbedingt aus
dem Unternehmen zurückziehen, 1893 wurde
die Firma in eine Aktiengesellschaft umgewan-
delt, die 1903 mit Siemens & Halske fusionierte.
Sigmund Schuckert, Fotografie von 1891
Die von Schuckert 1878 gefertigte
Bogenlampen für den Münchner
Hauptbahnhof (s. S. 33 links oben)
Alexander von Wacker
geb. am 29. Mai 1846 in Heidelberg, gest. am 6. April 1922 in Bad Schachen
Der gelernte Tuchhändler trat in den späten 1870er-Jahren in die Dienste des
Elektropioniers Sigmund Schuckert, der ihn 1886 zu seinem Teilhaber und 1893
zumGeneraldirektor machte. Wackers Interesse galt der noch in den Kinderschu-
hen steckenden elektrochemischen Industrie, wobei er eine chemische Verbin-
dung aus Kalk und Kohle, das Kalziumkarbid, als Brennstoff für Karbidlampen für
zukunftsträchtig hielt. Für die Produktion dieser Chemikalie, für die Wacker den
durch Wasserkraft gewonnenen elektrischen Strom benötigte, wurde 1913 der
Ausbau der Alzstufe bei Burghausen genehmigt. Noch während des Zweiten
Weltkriegs spezialisierten sich die Wacker-Werke als weltweit erste Acetonfabrik
auf die Herstellung von Kunstgummi, einem zur Abdichtung von U-Boot-Batte-
rien kriegswichtigen Produkt. Die Wacker-Werke erweiterten nach Kriegsende
ihre Produktpalette auf Farben, Kunstschellack, vollsynthetische Kunstfasern und
PVC. Heute produziert das Unternehmen mit über 10000 Beschäftigen vor allem
im Bereich der Halbleitertechnologie und Silikonchemie.
Alexander von Wacker, zeitgenössisches Gemälde
Wackerwerk Burghausen mit Alzkanal, Fotografie von 1925