Seite 76 - EDITION Bayern : Industriekultur in Bayern

Basic HTML-Version

74
INDUSTRIEPIONIERE IN BAYERN
Johannes Eckart
geb. 1840 in Emskirchen, gest. am 26. November 1899
Johannes Eckart, das zehnte Kind eines fränkischen Hauptmanns, absolvierte in
Nürnberg eine Kaufmannslehre und zeigte früh großes Interesse für Chemie. 1868
eröffnete er in München am Salvatorplatz die erste Konservenfabrik Süddeutsch-
lands (die zweite ihrer Art in Deutschland). Neben der Entwicklung eines spezi-
ellen Konservierungsverfahrens für Fruchtsäfte widmete sich Eckart der Halt-
barmachung von Gemüse, das er auf seinem Landgut Grub anbaute, und der
Geflügelhaltung im größeren Stil. Eckart kammit seinen lang haltbaren und gut
transportablen Konservendosen offensichtlich den Bedürfnissen der Zeit und der
verstärkten Mobilität entgegen: Ob als
Feldkost der Soldaten oder als Proviant
für längere Reisen, die Fleisch-, Gemü-
se- undObstkonservender Eckart’schen
Dampf-Conserven-Fabrik, die 1902
zum Königlich Bayerischen Hofliefe-
ranten ernannt wurde, waren begehrt.
Ein weiterer Grund für den Siegeszug
der Konservennahrung war, zumal in
den Städten, die abnehmende Selbst-
versorgung der Bevölkerung mit eige-
nemObst und Gemüse.
Johannes Eckart, Fotografie
Konrad Georg Schwarz
geb. am 2. Januar 1848, gest. am 20. Juli 1910 in Fürth
Konrad Georg Schwarz ging bei seinem Stiefvater Nicolaus Wiederer
in die Lehre, der 1858 in Fürth die zunächst auf Glasgravuren speziali-
sierte Firma N. Wiederer gegründet hatte. Das kleine Unternehmen
avancierte imLauf der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts als „König-
lich bayerische Hofspiegelfabrik“ zur größten bayerischen Spiegelfa-
brik. Spiegel waren nicht nur als edle Einrichtungsgegenstände und
Accessoires gefragt, sondern spielten auch in der Optik – etwa für die
Fotografie, aber auch in der Telegrafie – eine wichtige Rolle. Das Roh-
glas wurde größtenteils aus dem Böhmer und dem Bayerischen Wald
bezogen. Gute Standortbedingungen, erfolgreiches Management
und die Nutzung modernster Produktionsmethoden machten das
Unternehmen zum Global Player, das seine hochwertigen Produkte –
Spezialität des Hauses waren große, extrem kostbare Venezianerspie-
gel – vor allem in die USA lieferte. Die Folgen der Weltwirtschaftskrise
1929 brachten das Exportgeschäft nahezu völlig zum Erliegen, 1932
musste die Firma Konkurs anmelden.
Die Verlobung seiner Tochter Carrie (rechts mit Hut) feierte Kommer-
zienrat Konrad Schwarz (hinter seiner Tochter) in Pommelsbrunn bei
der Familie des Verlobten Paul Sichling, der dieses Foto vermutlich
aufnahm: links von Kommerzienrat Konrad Schwarz Heinrich Sichling,
links vorne Frau Kommerzienrätin Anna Schwarz, neben ihr Frau Kom-
merzienrätin Anna Neidhardt, geb. Sichling, rechts vorne der spätere
Schwager der Braut, Kommerzienrat Neidhardt, mit seinen Söhnen
Gustav und Heinz. Die Neidhardts waren Mitinhaber der Bronce- und
Blattmetallfabrik Neidhardt & Segitz in Pommelsbrunn, die sich später
mit der Bronzefabrik Carl Eckart in Fürth zusammenschloss.