Seite 73 - EDITION Bayern : Industriekultur in Bayern

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INDUSTRIEPIONIERE IN BAYERN
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Henry Goffard
geb. am 31. Januar 1822 in Hodmont /Belgien, gest. am 28. Oktober 1854 in Sauforst /Haidhof
Gemeinsammit Télémaque Michiels gründete der belgische Industrielle Henry Goffard 1851 in der an
Eisenerzen reich gesegneten Oberpfalz eine Eisenwerkkommanditgesellschaft auf Aktienbasis. Ein
Jahr später nahmen belgische Facharbeiter imSauforst von Burglengenfeld die Produktion von Eisen-
bahnschienen auf, da die in den 1830er- und 40er-Jahren produzierten bayerischen Gusseisenschie-
nen demGewicht der Lokomotiven nicht standgehalten hatten. Die Schienen für die seit 1840 gebaute
Eisenbahnstrecke München–Augsburg mussten aus Wales bezogen werden. Nach wirtschaftlichen
Anlaufschwierigkeiten und der Trennung der Geschäftspartner gründete Goffard 1853 schließlich die
Eisenwerk-Gesellschaft Maxhütte AG, an der auch der Münchner Eisenbahnpionier Joseph Anton von
Maffei beteiligt war. Die wirtschaftlichen Probleme besserten sichmit der Umstellung vomPuddelver-
fahren auf das Bessemerverfahren im Jahr 1869 und die nach König Maximilian II. von Bayern
benannte Hütte entwickelte sich rasch zur größten Produktionsstätte der Eisen- und Stahlindustrie
des Königreichs Bayern.
Henry Goffard
Maxhütte, Fotografie vor 1889
Max von Pettenkofer
geb. am 3. Dezember 1818 in Lichtenheim, gest. am 10. Februar 1901 in München
Der Bauernsohn und approbierte Apotheker aus dem Donaumoos gründete 1876 in München das erste
Hygieneinstitut in Deutschland. Sein wissenschaftliches Lebenswerk war breit gefächert und umfasste For-
schungen zur Zement- und Münzherstellung, die Entdeckung des Stoffwechselprodukts Kreatinin, die Ent-
wicklung von Kupfer-Amalgam-Zahnfüllungen, den Gallensäurenachweis, die Leuchtgasherstellung ebenso
wie die Entwicklung des Fleischextrakts, mit dem sich der Name seines Kollegen Justus von Liebig verband.
Pettenkofer verdiente sich große Meriten bei der Erforschung der Cholera, die die europäischen Großstädte
im 19. Jahrhundert immer wieder heimsuchte. Er sah die Hauptursache für den Ausbruch der Seuche im ver-
schmutzten Grundwasser. Um dem entgegenzuwirken, machte er München mit einer zentralen Wasserver-
sorgung, einer Schwemmkanalisation und demzentralen Schlachthof in Sendling Ende des 19. Jahrhunderts
zu einer der saubersten Städte Europas.
Max von Pettenkofer, Fotografie
von Franz Hanfstaengl
München „vor und nach Pettenkofer“: Auf der Fotografie von 1860
erkennt man die mit Unrat und Abwässern verschmutzte Rinne,
1903 präsentiert sich das Tal in München sauber gepflastert und
mit Bürgersteigen versehen.