Seite 7 - EDITION Bayern : Industriekultur in Bayern

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VOM AGRARLAND ZUM POSTINDUSTRIELLEN WIRTSCHAFTSSTANDORT
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Münchner Glaspalast, Fotografie von Franz Hanfstaengl, Juli 1854, Blick in die „Allgemeine Ausstellung deutscher Industrie- und Gewerbe-
erzeugnisse“ 1854; links: Münchner Glaspalast, Fotografie von Franz Hanfstaengl, Juni 1854, Ansicht des Mitteltrakts
Als 1851 die erste Weltausstellung im eigens dafür erbauten Lon-
doner Crystal Palace eröffnet wurde, schwärmte der englische
Prinzgemahl Albert von Sachsen-Coburg und Gotha: „Nobody
… will doubt … that we are living at a period of most wonderful
transition“. Der wirtschaftliche und technische Aufschwung der
Gründerzeit beflügelte denOptimismus vor allemdes Bürgertums.
Fortschritt auf allen Gebieten war das Zauberwort. Sichtbar wur-
den die Errungenschaften der neuen Zeit in den großen Weltaus-
stellungen, doch auch in den kleineren Landesgewerbeausstel-
lungen konnten technische Meis-terleistungen bestaunt werden.
Als aufwändige Kulisse dieser industrie- und gewerbefördernden
Maßnahmen dienten moderne Bauten, die mit ihrer Architektur
beeindrucken sollten. Nach dem Londoner Vorbild ließ König
Maximilian II. auf dem Gelände des Alten Botanischen Gartens in
München 1854 den Glaspalast errichten – das erste Gebäude aus
einer Fertigteilkonstruktion aus Gussstahlelementen, konstruiert
von Theodor Cramer-Klett, dem Gründer der Maschinenbau-AG
Nürnberg. Der Glaspalast wurde Schauplatz von Landesgewerbe-
Gewerbe- und Industrieausstellungen
schauen, der Elektrizitätsausstellung von 1882 und vielen Gewer-
beausstellungen. 1907/08 wurde die Ausstellungsfläche ergänzt
um die Ausstellungshallen auf dem Alten Messegelände.
Seine Bedeutung als „industrielles Herz Bayerns“ demonstrierte
auch Nürnberg mit den großen Industrieausstellungen 1882, 1896
und 1906, für die ebenfalls aufwändige Bauten errichtet wurden.
Die dafür neu geschaffenen Gebäudeensembles, gestaltet im Stil
großer Erlebnisparks, zogen Ströme von Besuchern an. Rund zwei
MillionenMenschen bestaunten zwischen 14. Mai und 15. Oktober
1882 auf dem Maxfeld die breite Produktpalette der insgesamt
2414 Aussteller aus den acht bayerischen Kreisen. In den von Adolf
Gnauth entworfenen Ausstellungshallen wurden die Erzeugnisse
aufwändig in kunstvollen Inszenierungen präsentiert. Vor allem
auf dem Gebiet des Maschinenwesens und der jungen Elektro-
technik wurde den Besuchern eindrucksvoll vor Augen geführt,
dass der Ruf Bayerns als rückständiger Agrarstaat der Vergangen-
heit angehörte.