Seite 67 - EDITION Bayern : Industriekultur in Bayern

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INDUSTRIEPIONIERE IN BAYERN
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Erfinder, Unternehmer, Finanziers –
Industriepioniere in Bayern
Barbara Kink
Friedrich Koenig
geb. am 17. April 1774 in Eisleben, gest. am 17. Januar 1833 in Oberzell
Der Bauernsohn und Autodidakt mit ausgeprägtem Geschick für Mechanik erlebte wäh-
rend seiner Ausbildung die schwere Arbeit der Buchdrucker am eigenen Leib. Dies gab den
Anstoß für Koenig, an einer mechanischen Druckmaschine zu tüfteln. Anregungen hierfür
holte er sich in London, wo er den Feinmechaniker Andreas Bauer kennen lernte. Die bei-
den gründeten 1817 im säkularisierten Kloster Oberzell bei Würzburg die Maschinenfabrik
„Koenig & Bauer“, in der sie die Drucktechnik mit der Entwicklung von Schnellpresse und
Rotationsmaschine revolutionierten. Das Unternehmen prosperierte rasch, da die Nach-
frage nach Druckerzeugnissen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts aufgrund der
steigenden Lesefähigkeit und des zunehmenden Bildungshungers rasch anstieg. Fünf
Jahre vor seinem Tod, 1828, gründete Koenig in der Klostermühle Münsterschwarzach die
erste Papierfabrik Bayerns. Das technische Können lag offensichtlich in der Familie, denn
auch der Neffe Koenigs, Carl August von Reichenbach, war, nicht zuletzt mit der Konstruk-
tion von Druckmaschinen, erfolgreich. Als Geschäftsleiter der Maschinenfabrik Augsburg
stellte Reichenbach 1873 bei der Weltausstellung in Wien dem staunenden Fachpublikum
eine Rotationspresse vor und im Jahr 1900 präsentierte das Augsburger Unternehmen die
weltweit erste Sechsfarben-Rotationsdruckmaschine.
Die Firmengründer Friedrich Koenig und
Andreas Bauer, Ölgemälde, 19. Jahrhundert
Koenig und Bauer entwickelten diese Doppelzylinderdruckmaschine, mit der in der Nacht
vom 28. auf den 29. Oktober 1814 die Londoner „Times“ als erste Zeitung der Welt auf
einer dampfbetriebenen Maschine hergestellt wurde.