Seite 62 - EDITION Bayern : Industriekultur in Bayern

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120 JAHRE TELEFON IN KULMBACH
Von der Telefonanlage in Kulmbach wurde reger Ge-
brauch gemacht. So wird im Verwaltungsbericht des
Stadtmagistrates Kulmbach für die Jahre 1890 und 1891
unter „Telephonverkehr“ die Vermittlung von 6460 Ge-
sprächen in den Monaten November und Dezember 1891
verzeichnet; in den Jahren 1892 und 1893 waren es bereits
31272 bzw. 33425; im Jahr 1894 gab es in Kulmbach
40 Abonnenten und drei Behörden mit 71 Sprechstellen.
Die Zahl der Gespräche belief sich auf 48316, nach aus-
wärts wurden immerhin 2165 Gespräche geführt, und
zwar mit Abonnenten in Nürnberg, Bayreuth, München,
Bamberg, Hof, Helmbrechts, Würzburg, Fürth, Schwein-
furt, Münchberg, Augsburg, Kasendorf, Kitzingen, Erlangen, Frei-
sing, Bad Kissingen, Lauf, Amberg, Ansbach und Schwabach. Im
Jahr 1895 – es gab nun 46 Abonnenten und drei Behörden mit
77 Sprechstellen – wurden 47597 Gespräche geführt und 2330 nach
auswärts, wobei hier erstmals ein Ferngespräch nach Zwickau in
Sachsen registriert wurde.
Die Entwicklung des Fernsprechwesens schritt dynamisch voran.
Für 1905 vermerkt die Statistik für Kulmbach eine Umschalte-
stelle, 151 Privatsprechstellen, 25 Sprechstellen bei Behörden, fünf
öffentliche Telefonstellen, 181 Sprechstellen insgesamt und 112 Teil-
nehmer einschließlich der Behörden sowie 120 Teilnehmerhaupt-
anschlüsse.
Anweisung zur Benützung des Wand-
fernsprechers durch den Abonnenten:
„Will ein Abonnent mit einem anderen Abonnenten sprechen, so
drückt er den Knopf (des Kästchens) gegen dieWand des Kästchens
und dreht gleichzeitig die Kurbel drei- bis viermal mit mäßiger
Geschwindigkeit um, nimmt hierauf die Telephone (Hörer) von
den Haken und hält dieselben an die Ohren. Von diesemZeitpunkt
an dürfen die Telephone nicht mehr von den Ohren genommen
werden, bis das Gespräch beendet ist. Durch das Drücken auf den
Knopf und gleichzeitiges Umdrehen der Kurbel wird das Umschal-
tebureaumit demVerlangen des Abonnenten, sprechen zuwollen,
in Kenntnis gesetzt. Der Beamte im Umschaltebureau schaltet auf
diesen Anruf hin seinen Apparat in die betreffende Leitung und
meldet sich mit dem Zuruf: ,Hier Amt, was beliebt?‘. Der Abon-
nent nennt hierauf Name und Rufnummer des Abonnenten, mit
welchem er zu sprechen wünscht. Ist die Leitung des Abonnenten,
mit welchem der anrufende Abonnent zu sprechen wünscht, frei,
so stellt der Beamte die gewünschte Verbindung ohne weiteres
her. Der Beamte ruft sodann mit Hilfe des Läutewerkes den Abon-
nenten, mit welchem die Verbindung verlangt wird. Auf diesen
Anruf hin nimmt dieser letztere die Hörtelephone vom Haken,
nimmt sie an die Ohren und zeigt seine Gegenwart an mit den
Worten: ,Hier N. N., wer dort?‘ Mit Beantwortung dieser Frage
durch den Abonnenten, welcher die Verbindung verlangte, ist das
Gespräch zwischen den beiden betheiligten Abonnenten einge-
leitet. Am Schlusse des Gespräches hat jeder der Betheiligten zum
Zeichen dafür, dass er das Gespräch für beendet erachtet, dasWort
,Schluß‘ zu sprechen. Auf diese Weise wird sowohl vergebliches
Zuwarten, als auch verfrühtes Abbrechen des Gespräches vermie-
den werden. Nach Beendigung des Gespräches sind die Telephone
sofort wieder in die Haken zu hängen.
Beide Abonnenten haben nach Einhängen der Telephone noch-
mals auf den Knopf zu drücken und die Kurbel wie beim Anruf
umzudrehen. Dieß ist das Zeichen für das Umschaltebureau, daß
die Unterhaltung zu Ende ist und die Verbindung wieder aufgeho-
ben werden soll. Dieses Abläuten darf nicht unterlassen werden,
weil sonst der Beamte des Umschaltebureaus nicht weiß, wann
eine Unterhaltung beendet ist und in Folge dessen die Leitung
einem andren anrufenden Abonnenten gegenüber als belegt
bezeichnet, obwohl dies nicht zutrifft.“
Telefonieren war teuer und wurde nach der Zeit berechnet.
Der im Jahr 1897 mit Nr. 94109 patentierte „Zeitmesser für
Ferngespräche“ der Firma Hermann Keim in München sollte
für Gesprächsdisziplin sorgen.