Seite 61 - EDITION Bayern : Industriekultur in Bayern

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120 JAHRE TELEFON IN KULMBACH
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Das Telefongespräch kam über die Vermitt-
lung zustande. Der hier gezeigte erste Nürn-
berger Vermittlungsklappenschrank wurde
von der Firma F. Reiner gefertigt. Der Ruf
zum Teilnehmer wurde mit dem Induktor
getätigt, der bedient wurde, indem der Ver-
mittlungsbeamte mit dem Fuß das „Pedal“
rechts unten trat. Die Stöpsel mit den
Schnurleitungen und den -gewichten sind
deutlich zu erkennen, ebenso die Klappen –
Klappe 16 ist gefallen, einige Verbindungen
sind gestöpselt.
Bei diesen drei Telefonen von 1892 bis 1900 (links ein Nachbau unter Verwendung originaler
Teile) handelt es sich um frühe Tischapparate aus bayerischer Fertigung (F. Reiner, München):
links die erste Ausführung mit dem Adère-Mikrofon, in der Mitte die nächste Entwicklungs-
stufe mit dem patentierten Stäbchenmikrofon am gusseisernen Träger, rechts eine Weiter-
entwicklung mit dem technisch modernisierten Kohlekörnermikrofon.
richtung, das Kohlestäbchenmikrophon
(1892, D.R.G.M. Nr. 3709 vom 15. März
1892, Modell F. Reiner, München) bzw.
bei der zweiten Station die technisch mo-
dernisierte Form mit der beweglichen,
höhenverstellbaren Mikrofoneinsprache
(D.R.G.M. Nr. 201 753 vom 20. Mai 1903,
Modell F. Reiner, München). Der Nuss-
baumholzkasten darunter enthält den
Hakenumschalter, der nach Abnehmen
des Hörers den Sprechstromschluss unter
Entnahme des Stroms aus der zuunterst
angeordneten Batterie, einem gewöhnli-
chen Leclanché-Element im Batteriekas-
ten, herstellt.
Die Kurbel rechts gehört zum Kurbel-
induktor, einem kleinen Generator,
der nach dem Drehen der Kurbel eine
Wechselstromspannung von ca. 60 Volt
erzeugt. Dadurch wird der Wechsel-
stromwecker in der Vermittlungsstelle
zum Ertönen gebracht, die Klappe des
entsprechenden Fallklappenrelais freige-
geben und demVermittlungsbeamten der
Gesprächswunsch akustisch und optisch
signalisiert. Die Verbindung der beiden
Fernsprechteilnehmer wird dann vom
Vermittlungsbeamten durch Einschie-
ben der entsprechenden Leitungsstecker
in Klinken „gestöpselt“, das Gespräch
der Teilnehmer kann beginnen. Das
Gesprächsende wird durch nochmaliges
Betätigen des Kurbelinduktors angekün-
digt, es wird „abgeläutet“. Die gestöpselte
Verbindung wird getrennt.
Die Fotografie von 1893 zeigt die Münchner Umschaltestelle II.