Seite 56 - EDITION Bayern : Industriekultur in Bayern

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den. Die Schlacke als Verbrennungsrückstand wurde beispiels-
weise zu Bauplatten verarbeitet. Das bei der Koksgewinnung
entstehende Ammoniak ergab ein gern eingesetztes Dünge-
mittel. Aus Rohteer wurden Benzol, Motorenöl und Straßen-
bauteer gewonnen. An die dafür erforderlichen Gebäude haben
die Planer ebenso gedacht wie an Arbeiterwohnungen und ein
Betriebsleiterwohnhaus, die aus heutiger Sicht gefährlich nah an
die Gasometer bzw. Reinigeranlage herangerückt wurden. Als
die Stadt Augsburg in den 1970er-Jahren auf Erdgas umstellte,
verlor das Gaswerk in Oberhausen seine Bedeutung. Von den
Stadtwerken bis heute in tadellosem Zustand erhalten, stellt es
– da der größte Teil der Anlage original ist – das bedeutendste
Industriedenkmal Augsburgs dar.
Zur Industriestadt gehörten damit nicht nur klassische Fabriken,
sondern auch die kommunalen Versorgungseinrichtungen. Die
Gasometer in Oberhausen prägten das Augsburger Stadtbild
genauso wie die Schornsteine der Spinnereien und Webereien.
Eine weitere wichtige öffentliche Einrichtung dieser Art war
der städtische Schlacht- und Viehhof, ein Jahrhundertwerk, das
im Jahr 1900 mit dem Einzug der Metzger eröffnet wurde. Für
Augsburg hatte dieses Projekt eine besondere Bedeutung. Der
zentrale Schlachthof, der hier seit dem späten Mittelalter bestan-
den hatte, war eines der Kennzeichen der Großstadt, die es
sich aus hygienischen Gründen nicht leisten konnte, den Metz-
gern jeweils eigene Schlachtstätten einzuräumen. Den zweiten
Schlachthof hatte 1609 kein Geringerer als Elias Holl unweit des
Rathauses mit der so genannten Stadtmetzg erstellt, der dritte
zog nach langen Standortstreitigkeiten in das Textilviertel. Die
großzügige Planung, die eine Fläche von sechs Hektar umfasste,
wurde von Oberbaurat Fritz Steinhäußer und Architekt Stein
erstellt. Ziel war es, mit einem Komplex zwei Funktionen abzu-
decken: den Viehhof für den Handel sowohl mit lebendem wie
mit geschlachtetem Vieh und den Schlachthof für die Schlach-
tungen. Für beide Bereiche gemeinsam nutzbar waren unter
anderem Verwaltung und Restauration. Welcher Umsatz hier
erzielt wurde, lässt schon die Anzahl der Stallungen und Hal-
len erahnen: ein Verkaufsstall für Großvieh, fünf Verkaufshallen
für Groß- und Kleinvieh, geschlachtete Kälber, Schweine, Fer-
kel, weiters zwei Schlachthallen, ein Seuchenschlachthaus, eine
Pferdeschlächterei und ein Schlachtstall für Großvieh.
Die Anlage grenzte direkt an das SWA-Werk I Altbau zwischen
Lech und Proviantbach, Letzterem und der Proviantbach-
Der Augsburger Schlacht- und Viehhof, Plan des städtischen Bau-
bureaus vom Juni 1900, aus: Augsburg in kunstgeschichtlicher,
baulicher und hygienischer Beziehung. Festschrift zur 15. Wander-
Versammlung des Verbandes Deutscher Architekten- und Ingenieur-
vereine, bearb. von Fritz Steinhäußer, Augsburg 1902