Seite 22 - EDITION Bayern : Industriekultur in Bayern

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VOM AGRARLAND ZUM POSTINDUSTRIELLEN WIRTSCHAFTSSTANDORT
Wirtschaftswachstum setzte, rückte die Steigerung der Leis-
tungsfähigkeit und Attraktivität des „Wirtschaftsstandorts“
Bayern in den Fokus der Politik. Diese Zentrierung aller poli-
tischen Aktivitäten auf das Wirtschaftswachstum fand unter
Ministerpräsident Edmund Stoiber (1993–2007) ihren Höhe-
punkt. 1994 erklärte er die Bewältigung der Folgen der „Globa-
lisierung der Weltwirtschaft“ zur wichtigsten Aufgabe seiner
Regierung und dafür hielt er tief greifende Reformen für unum-
gänglich – nicht nur im wirtschaftlichen, sondern vor allem
auch im staatlichen und gesellschaftlichen Bereich. Die damit
forcierte Ausrichtung von Staat und Gesellschaft an den Bedürf-
nissen der Wirtschaft trug zweifellos dazu bei, dass Bayerns
Wirtschaft die Globalisierung besser verkraftete als die anderer
Länder. Die wichtigste Voraussetzung dafür waren jedoch die
Wiedervereinigung, die Öffnung des Eisernen Vorhangs und
die Osterweiterung der EU. Mit dieser Entwicklung ist Bayern
vom Rand in das Zentrum des europäischen Wirtschaftraums
gerückt. Als Wirtschaftsstandort verfügt Bayern damit heute
über die besten Bedingungen seit Beginn der Industrialisierung.
Quellen
150 Jahre amtliche Statistik in Bayern von 1833 bis 1983, hg. vom Bayeri-
schen Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung, München 1983;
Bayerns Wirtschaft gestern und heute, hg. vom Bayerischen Statistischen
Landesamt (seit 1982: vom Bayerischen Landesamt für Statistik und Daten-
verarbeitung), München 1962–1994; Statistisches Jahrbuch für das König-
reich Bayern (ab 1919: für Bayern), München 1894ff.; Zeitschrift des König-
lich-Bayerischen statistischen Bureaus, 1869–1908; fortgeführt durch: Zeit-
schrift des Königlich-Bayerischen Statistischen Landesamtes, 1909–1918,
fortgeführt durch: Zeitschrift des Bayerischen Statistischen Landesamtes,
1919–1980; aufgegangen in: Bayern in Zahlen, hg. vom Bayerischen Statis-
tischen Landesamt (seit 1982: Bayerisches Landesamt für Statistik und
Datenverarbeitung), München 1947ff.; Die bayerische Industrie 1988. Mit
Darstellung der strukturellen Entwicklung zwischen 1970 und 1987, hg.
vom Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft und Verkehr, München
1988; Bericht der Arbeitsgruppe „Visionen zur Industrielandschaft Bayerns
in 20–25 Jahren“ im Auftrag des Industriebeirates beim Bayerischen Staats-
ministerium für Wirtschaft und Verkehr, München 1994; Bayern 2020 –
Industriereport. Analysen Trends, Prognosen. Eine Studie der Prognos AG,
hg. vom Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft, Infrastruktur, Ver-
kehr und Technologie, München 2002; Zukunftsfähige Gesellschaft. Bayern
in der fortschreitenden Internationalisierung. Bericht des Zukunftsrates der
Bayerischen Staatsregierung, München 2010
Literatur
Bühl, Walter: Die Sondergeschichte der Bayerischen Industrialisierung im
Blick auf die postindustrielle Gesellschaft. Vom industriellen Nachzügler
zum postindustriellen Vorreiter?, in: Grimm, Claus u. a. (Hg.): Aufbruch
ins Industriezeitalter, Bd. 1, München 1985 (Veröffentlichungen zur Bayeri-
schen Geschichte und Kultur 3/85), S. 203–227; Erker, Paul: Keine Sehn-
sucht nach der Ruhr. Grundzüge der Industrialisierung in Bayern 1900 bis
1970, in: Geschichte und Gesellschaft 17 (1991), S. 480–511; Frey, Alfons:
Die industrielle Entwicklung Bayerns von 1925 bis 1975. Eine vergleichende
Untersuchung über die Rolle städtischer Agglomerationen im Industri-
alisierungsprozess, Berlin 2003; Gömmel, Rainer: Gewerbe, Handel und
Verkehr, in: Handbuch der bayerischen Geschichte, Bd. 4/2, hg. von Alois
Schmid, München 2007, S. 216–299; Götschmann, Dirk: Wirtschaftsge-
schichte Bayerns. 19. und 20. Jahrhundert, Regensburg 2010; Grüner, Stefan:
Geplantes „Wirtschaftswunder“? Industrie und Strukturpolitik in Bayern
1945 bis 1975, München 2009
Götschmann, Dirk: Wirtschafts-
geschichte Bayerns. 19. und
20. Jahrhundert, Verlag Pustet,
Regensburg 2010
Lesetipp